KategoriePolitik

Archiv

Distanz als Lernprozess

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Für Jung & Naiv habe ich in drei Wochen 23 Folge in Israel und Palästina produziert. Wir haben viele Stimmen und Positionen zum Konflikt hörbar gemacht, die ein anderes Bild davon vermitteln, worum es in dem Krieg tatsächlich geht. Diesen journalistischen Ertrag will ich durch Martin Lejeune nicht kompromittieren. Ich lasse die Folge mit ihm in meinem YouTube-Kanal stehen. Aber ich mache auch...

Angst vor der Gleichheit

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Die Angst vor der Gleichheit nimmt ihre aggressiven Impulse aus verweigerter Freiheit. Denn wenn wir die Differenzen verkörpern, wenn unsere Sehnsucht nach Autonomie den anderen Angst einflößt, dann liegt das auch daran, dass wir in jedem Augenblick unseres Lebens die Idee der Freiheit verkörpern. Wir haben uns die Freiheit genommen, Differenzen sichtbar zu machen. Wir zeigen, dass Freiheit...

Die Ikonographie der Schutzweste

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Es geht um das Überleben, um Leben und Tod. Auf diesen Sachverhalt lenken uns die Westen des Staatspersonals an Bord. Nur die Kanzlerin hat – Ton in Ton – darauf geachtet, dass die Weste sich in ihr habitualisiertes Gleichgewicht fügt, wenngleich der Farbton zwischen Oliv, Petrol und Schlamm auf einen Jenseits-Zustand verweist, auf das Ziel einer Tarnung, die in dem Augenblick auffliegt, in dem...

Regelbruch als Versprechen. Anmerkungen zu Jung & Naiv

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Der folgende Beitrag ist eine kleine Kostprobe auf einen Essay, den ich für einen von Günter Bentele und Felix Krebber bei Springer VS herausgegebenen Sammelband geschrieben habe. Das Buch erscheint im Spätsommer 2014. Ich habe zur Illustration den Beitrag um die jüngste Folge von Jung & Naiv ergänzt, Tilo Jungs Gespräch mit Glenn Greenwald. Ich empfehle besonders den Schluss, an dem Tilo mit...

Der Wanderfalke als Metapher

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Der Falke ist Späher und Greifer. Das ist der Ausgangspunkt dafür, über die Kulturtechnik des Spähens nachzudenken. Es gibt in so beglückenden Fällen des Lesens eine mitlaufende luzide oder auch mild paranoide Leseerfahrung. Ich verstehe sie als Versuch, Bilder als Übersetzungshilfe zu benutzen. So ging es mir gestern, als ich las, wie Baker den Sehsinn des Falkens beschrieb. Der Wanderfalke...

Jenseits der Welt

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„Dem Schiffsnamen gab der Eigentümer der Reederei eine eigenwillige Bedeutung, indem er ihm zwei chinesische Zeichen zugrunde legte, die zusammen „Jenseits der Welt“ bedeuten. Der Name „Sewol“ stand aber auf dem Schiff auf Koreanisch, so dass niemand auf diese Bedeutung gekommen wäre. Im Koreanischen hat „Sewol“ eine andere Bedeutung. Das Wort lässt sich schwer ins Deutsche übersetzen. Es...

Schutz unterirdischer Leitungen

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Wladimir Sorokin erzählt in der neuen Ausgabe der New York Review of Books von den Tagen des Putschs gegen Gorbatschow im August 1991. Die aufgebrachten Bürger Moskaus auf dem Lubjanskaja Platz vor dem Hauptquartier des KGB schienen entschlossen, das Standbild Feliks Dzierżyńskis zu stürzen. Die Schlinge hing ihm schon um den Hals, als ein Abgesandter Boris Jelzins auftauchte und die Bürger um...

Zur politischen Kultur des Neobiedermeiers

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Absolute Macht wird durch absolute Unterwerfung unter ihre Opportunitäten vorauseilend legitimiert. Egal, was oder wer darüber auf der Strecke bleibt. Die Willkür, heute durch beliebige Manipulationen bezeug- oder belegbare Kompromate in Verkehr zu bringen (ganz zu schweigen von der Insuffizienz digitaler Beweisführung) betrachte ich unter diesem Blickwinkel als Symptom für einen sich von Normen...

Der Abklatsch einer Singularität

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Symbolisch warf Wolfgang Schäuble sich auf zum Inhaber der obersten Befehlsgewalt auch über die Kollegen, und zugleich erniedrigte er sich selbst zu einem Vollzugsbeamten, der in der Regel während eines ganzen Dienstlebens nie auch nur in die Nähe eines Ministers gelangen würde. Wolfgang Schäuble hat in dieser Nacht die Legende der deutschen Rolle eines Garanten für den Euro bekräftigt und...

Gute Ideen

G

In der Bewährungsprobe gibts nichts zum Schnattern. Jedes Wort zählt. Jedes Wort zuviel oder zu wenig zählt noch mehr. Auch diese Lektion erteilt Barack Obama seinen Kollegen (und Kolleginnen) in der deutschen Politik.

We Are Not Quitters

W

Das politische Protokoll sieht eine Rede zur Lage der Nation nicht vor. Fällig wäre sie erst nächstes Jahr. Der community organizer in chief nutzte dennoch die Gelegenheit, über den Zustand und die Perspektiven seines Landes zu reden. Wann wenn nicht jetzt?

Erklären

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Der Besuch des Kanzleramtsministers Thomas de Maizière bei der FAZ hat heute endlich die gebührende Antwort gefunden. Offenbar waren auch die Kollegen in Frankfurt entsetzt, als sie hörten: „Die Politik müsse derzeit mit einer Schnelligkeit Entscheidungen treffen, die es nicht gestatte, sie zu erklären oder gar Diskussionen mit den Bürgern über grundsätzliche Entscheidungen zu führen...

Kurzer Draht

K

Der community organizer in chief hatte gestern Besuch. 85 amerikanische Bürgermeister trafen Obama und Biden im East Room des Weißen Hauses. Morgen empfängt er die Gouverneure der Bundesstaaten zum Essen. Der Präsident nimmt sich alle politischen Akteure zur Brust, bevor er am Dienstag im Kongress seine Rede zur Lage der Nation hält. Ihr habt unsere Telephonnummern, sagt Biden zur Begrüßung. Wir...

Short Cuts

S

Das narrative Material der vielen Einzelschicksale ist Rohstoff. Diesen Rohstoff zu verwandeln, in etwas Mitreißendes, in eine lange Welle, die dich trägt, in das Empfinden der Gleichzeitigkeit – darin liegen das Pathos und die Kunst Raymond Carvers und Robert Altmans. Jetzt sammelt  und teilt Obama Geschichten darüber, wie die Amerikaner die Krise persönlich erleben. Seine Redenschreiber und...

Paradoxon

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Wir kennen das: Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen. Nun geht es um das kunstvolle Paradoxon, wie ein Insider der Macht und des Powerplay in Washington den Eindruck zu beglaubigen versucht, dass er wirklich eine Wende herbeiführt. In einem Namensbeitrag in der heutigen Ausgabe der Washington Post schreibt Obama: „So we have a choice to make. We can once again let Washington’s bad habits...

Zauber des Anfangs

Z

Der Verfassungsrechtler eröffnet seine Rede mit einer klassischen Präambel: demütig* angesichts der Aufgabe –  er spricht allerdings nicht von der Bürde auf seinen Schultern, sondern reiht sich ein, holt die Bürger an Bord, an seine Seite, Müntefering würde sagen, er hakt sich unter – zeigt sich dankbar für das Vertrauen, das die Bürger in ihn setzen – mit schwingen im grateful die Grazien...