© Gerard van Smirren

Angst vor der Gleichheit

Vorbemerkung

Den folgenden Text habe ich am 30. 29. Januar 2014 in rasender Eile niedergeschrieben. Am nächsten Tag trug ich ihn bei einer Veranstaltung der Queer Lectures im taz-Café vor. Der Text erfüllt infolge der Technik der nicht redigierten Niederschrift die formalen Kriterien eines Blogeintrags. Vielleicht erscheint er eines ferneren Tages auch als dann dafür redigierte Veröffentlichung.  Die Vorgeschichte führt über ein Jahr zurück, als in Frankreich und Italien ein Essay von Giorgio Agamben für Verwirrung sorgte. Er hatte damals in Nachfolge Alexandre Kojèves darüber nachgedacht, in welcher politischen Konstellation auf die europäische Krise zu reagieren sei. Wenige Wochen später nahm sich Dominique Venner vor dem Altar von Notre-Dame das Leben und widmete seinen Tod dem Kampf gegen die mariage pour tous.

Ich werde heute nicht als Chronist reden. Ich werde (fast) nichts erzählen über Gewalttäter, über miserable Gesetze, über Richtersprüche, über Kardinäle oder Päpste (wir haben ja gerade zwei davon). Ich werde heute Abend auch keine Exegese jener allzu geläufig und routiniert klingenden, irgendwie alle und niemanden eingemeindenden Buchstaben LGBTI* vornehmen. Warum unterscheidet sich diese Abkürzung so wenig von den Markenzeichen tiefergelegter Automobile? Das sind wir doch nicht, meine Lieben. Gefährten schon. Nur ist das etwas Anderes. Weiterlesen

Instant biographer

Im Unterschied zu Pulverkaffee ist die Arbeit einer Nachrufautorin, zumal dann, wenn sie für die letzte Seite des Economist schreibt, für die Nachwelt voller Wunder.

Routinen, mithin also auch die Wechselfälle eines schlecht gewählten Todeszeitpunkts, entscheiden darüber, welcher liebe Tote es ins Blatt schafft. Das entscheidet man montags. Dienstags wird poliert. Ich versuche mir vorzustellen, welcher Reiz für einen Autor wie Rüdiger Safranski darin läge, in zwei Tagen zu schreiben, wofür er sonst Jahre braucht, welche ungeheure Erleichterung darin läge, wie mit einem Federmesser wegzuschneiden, was den klaren letzten Blick auf die verstorbene Person trüben könnte. Nicht 752 Seiten, wie über Goethe, sondern maximal  5.200 Zeichen, nicht Jahre über Jahre, sondern ein Tag, eine Nacht und noch einen halben Tag. Dann kannst Du Dich von diesem Tod erholen und den nächsten auf Dich zukommen lassen. Weiterlesen

Verlustanzeige

Der Tod Frank Schirrmachers ist eine Zäsur.

Der große Mann ist ein öffentliches Unglück, schreibt Edo Reents. Der Verlust dieses großen Mannes ist ein Unglück für unsere Zeit, der das Phänomen des Phantomschmerzes fehlt, um ermessen zu können, was ihr durch Schirrmachers Tod abhanden gekommen ist: ein Spieler und Gegenspieler, ein Spurenleser, ein Seismograph mit einem Gespür, das auch feinsten Schwingungen den Schritt voraus war, der erst Verstehen in dem umfassenden Sinn dieses Wortes ermöglicht.

Egal zu welcher Tages-, Abend- oder Nachtzeit man ihn erreichte, er glühte auf, weil er das Elektrisierbarsein verkörperte, für Themen und Anregungen offen war, die in der versäulten deutschsprachigen Medienwelt auf dem Weg durch zuständige Ressorts fast unrettbar verloren gegangen wären.

Um sich herum hatte er ein weltweites Netzwerk feinster Verknüpfungen ins Leben gerufen, das wie eine Galaxie mit ihm als jungem Braunen Zwerg verstanden werden könnte, kein Zentralgestirn mit geordneten Umlaufbahnen, kein Trabant, sondern eine verkörperte Fusionsenergie, die ihn nährte, weshalb es aus dieser Logik Ehre bezeugte, von ihm als Oberkonfusionsrat bezeichnet zu werden.

Was wird nun aus dem nicht mehr durch seine Präsenz geordneten Versprechen der um ihn versammelten Talente? Gehen sie verloren, mit ihm dahin? Wer fängt sie auf und bindet sie ein in ein neues Kraftzentrum, das den von ihm eingeschlagenen Kurs auf die dazugehörige unvorhersagbare Weise weiter führt?

Ich habe Frank Schirrmacher mehr zu verdanken, als die schmale Sichtbarkeit einiger Beiträge im Blatt dokumentieren kann. Es begann mit einem späten Debüt in einer für mich sehr schwierigen Zeit.

Dafür danke ich ihm, bestürzt, traurig und erschüttert.

Die Ikonographie der Schutzweste

Dieses Photo hat über Pfingsten Schlagzeilen gemacht. Der schwedische Ministerpräsident Reinfeldt ist in Kontrolle der Ruder. Seine Gäste sind ihm ausgeliefert. Es sind bisher keine Bilder bekannt geworden, die die Gäste dabei zeigen, wie sie in das Ruderboot gelangt sind. Frau Baumann, wenn nicht die Kanzlerin höchstselbst, wird darauf geachtet haben, dass das Verlassen festen Grundes unbeobachtbar bleibt. Weiterlesen

Höchste Eisenbahn

Der amerikanische Secret Service hat ein Projekt ausgeschrieben, das so seltsam anmutet, dass ich nicht umhin komme, hier, an dieser abgelegenen Stelle, darauf hinzuweisen. Heute endet übrigens die Abgabefrist für Angebote.

Gäbe es schon Teleportation, würde ich mich als inkarniertes Tool gleich selbst rüberbeamen. Aber mit ihren hauseigenen false positive Ressourcen würden sie mich als nicht zulässiges Angebot aussortieren. Dabei täte ich das sogar umsonst. Denn was könnte es Schöneres auf der Welt geben, was wäre für den eigenen Seelenfrieden und beste Unterhaltung zuträglicher, als täglich die neuesten Sarkasmen – frisch aus aller Welt –  zum Müsli serviert zu bekommen? Okay, ich würde das nicht gerade auf der Basis des Internet Explorers 6 machen wollen, aber wenn sie mir eine Dienststelle dafür im schönen Colorado einrichteten, könnte ich mich auch damit anfreunden. Weiterlesen

Regelbruch als Versprechen. Anmerkungen zu Jung & Naiv

Der folgende Beitrag ist eine kleine Kostprobe auf einen Essay, den ich für einen von Günter Bentele und Felix Krebber bei Springer VS herausgegebenen Sammelband geschrieben habe. Das Buch erscheint im Spätsommer 2014. Ich habe zur Illustration den Beitrag um die jüngste Folge von Jung & Naiv ergänzt, Tilo Jungs Gespräch mit Glenn Greenwald. Ich empfehle besonders den Schluss, an dem Tilo mit Glenn über das Crowdfunding für Krautreporter redet. Die deutsche Übersetzung dieser Passage findet man am Ende dieses Beitrags.

Vorbemerkung
Gibt es Indizien für paradoxe Verarbeitungsmuster des Wandels, den wir in der Medienwelt erleben? Ende Januar 2014 stellt der Perlentaucher (Chervel/Seeliger 2014) seine tägliche Feuilleton-Übersicht um. Nun trifft das Perlentaucher-Team eine Auswahl entlang der weltweiten Emergenz neuer Themen und Debatten. Sein Publikum, bisher daran gewohnt, auf einen Blick zu erfassen, welches führende deutsche Printmedium welche Themen bringt, reagiert irritiert. Bisherige Relevanz-Kriterien (die FAZ eröffnet mit Sotschi, die Süddeutsche mit Bayreuth) scheinen dahin. Nur mit Mühe (wenn überhaupt) scheint genau die Frage noch beantwortbar: Wer bringt was? Nur warum das überhaupt noch wichtig sein könnte, genau danach wird nicht gefragt. Die Lebenswelt der an den Diskursen Interessierten scheint erschüttert. Sie wirken auf die Ungleichzeitigkeit nicht vorbereitet. Dass die neue Übersicht neue Koordinaten für die Wahrnehmung von Relevanz bereit stellt, tröstet nicht die uneingestandene Trauer über den Verlust der alten institutionalisierten Relevanz. Weiterlesen

Die Macht des Vergessens

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs über das Recht darauf, vergessen zu werden, hat Bewegung ins Spiel gebracht. Das Vergessen gehört aus eigenem Recht und als anthropologische Errungenschaft zu den schönsten, ja unvergesslichen Gaben der Welt. Mir scheint es wirkmächtiger als das Gedächtnis, von dem wir seit Proust wissen, was davon zu halten ist: Es ist meistens nichts als Lug und Trug. Was wir für den unverfallbaren prägenden Augenblick einer eigenen Wahrheit gehalten haben mögen, erweist sich eines Tages als mehr oder weniger fixe Idee, bloß weil uns unverhofft ein anderer Blick auf den von uns für verbürgt gehaltenen Sachverhalt  zuteil wird, eine andere Erinnerung sich der eigenen beigesellt, ohne dass darüber die Welt zuschanden ginge. Sie wird reicher und beglückt uns durch Ambivalenz, durch die Chance, einer anderen Erinnerung wie einer fremden Stimme Zutritt in das so unaufhörlich wirkende Zwiegespräch mit uns selbst zu gewähren. Weiterlesen

„Ich bin doch nur kurz etwas essen gegangen.“ Eine Zugnovelle

Das Charakteristische an einer Novelle sei, dass sie in einem Zug zu lesen sei. Hier soll von einer Begebenheit die Rede sein, die ich erst heute, auf der Rückfahrt von Köln nach Berlin, in einem Zug erlebt habe. Ich saß, wie fast immer, im ersten Waggon hinter dem Speisewagen, war nach einer kurzen Nacht und einigen arbeitsreichen Tagen müde und döste vor mich hin, als ich durch einen Wortwechsel aus dem Halbschlaf gerissen wurde. Wir hatten eben erst den Bahnhof von Hamm hinter uns gelassen, an dem der aus Köln kommende Zug an einen weiteren Zug angekoppelt wird. Das leise Rucken des Rangierens mag mich aus dem tieferen Schlaf gerissen haben, wenn da nicht auch zuvor schon ein rätselhaft hektisches Bewegen an mir vorbei gewesen wäre. Jedenfalls höre ich eine leicht neurasthenisch klingende Männerstimme (höhere Tonlage, nervös, etwas Drängendes, ja, fast Panisches lag in ihr) die in Hamm zugestiegenen Passagiere, die hinter mir saßen, nach ein paar Papieren fragen, die sich zuvor auf ihrem Platz befunden haben sollen.

Weiterlesen

Der Wanderfalke als Metapher

Ich habe mich immer danach gesehnt, Teil dieses Lebens, dieses Außen zu sein, dort draußen am Rande der Dinge zu stehen, den menschlichen Firnis mit Leere und Stille von mir abzuspülen, so wie der Fuchs sich in der kalten Weltlosigkeit des Wassers seines Geruchs entledigt, um als Unbekannter in die Stadt zurückzukehren. Das Wandern hat einen Glanz, der mit der Ankunft verblasst.

 

Am Anfang steht die Sehnsucht danach, teilzuhaben, im beobachtenden Teilhaben Teil des Beobachteten zu werden. Er markiert zugleich Distanz zu dem, was er menschlichen Firnis nennt. Mit dem Firnis streift der Autor die Identität, den Schutz des bürgerlichen Lebens ab, so wie der Fuchs sich des Aasgeruchs entledigt, um im Beobachten fast ununterscheidbar eins mit der Natur zu werden, aus ihr als ein Fremder zurückzukehren, als ein erzählender Fremder. Weiterlesen

Jenseits der Welt

„Dem Schiffsnamen gab der Eigentümer der Reederei eine eigenwillige Bedeutung, indem er ihm zwei chinesische Zeichen zugrunde legte, die zusammen „Jenseits der Welt“ bedeuten. Der Name „Sewol“ stand aber auf dem Schiff auf Koreanisch, so dass niemand auf diese Bedeutung gekommen wäre. Im Koreanischen hat „Sewol“ eine andere Bedeutung. Das Wort lässt sich schwer ins Deutsche übersetzen. Es deutet auf die Flüchtigkeit der Zeit, auf die fehlende Beständigkeit, auf Vanitas hin. Es bringt genau das Zeitgefühl, das Lebensgefühl von heute zum Ausdruck, dem jede Dauer fehlt. Das menschliche Leben ist nie so vergänglich gewesen wie heute. Wir sind mehr denn je mit dem Überleben konfrontiert, während die gemeinsame Sorge um das gute Leben nicht vorhanden ist. Es gibt heute nichts, was Dauer und Bestand verspräche. Das Versinken geht auf den fehlenden Halt zurück. Es ist wohl das Grundgefühl der Gegenwart.“

 

Dieser Absatz beendet einen Essay des koreanischen Philosophen Byung-Chul Han in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er illustriert die Zeichenhaftigkeit der Zeichen bis in die Namensgebung des Unglücksschiffs.

Beträte ich ein Schiff, das „Jenseits der Welt“ hieße? Nur mit Beklommenheit.

Schutz unterirdischer Leitungen

Wladimir Sorokin erzählt in der neuen Ausgabe der New York Review of Books von den Tagen des Putschs gegen Gorbatschow im August 1991. Die aufgebrachten Bürger Moskaus auf dem Lubjanskaja Platz vor dem Hauptquartier des KGB schienen entschlossen, das Standbild Feliks Dzierżyńskis zu stürzen. Die Schlinge hing ihm schon um den Hals, als ein Abgesandter Boris Jelzins auftauchte und die Bürger um das historische Erlebnis eines Denkmalsturzes brachte. Der Abgesandte warnte davor, der Fall der Statue drohe unterirdische Kommunikationsleitungen zu beschädigen, ein Kran sei schon unterwegs, um das Standbild abzutransportieren und Schaden zu vermeiden. Die Bürger Moskaus hörten auf ihn, als gehöre es zu den Symbolen der russischen Revolutionsgeschichte, nicht auf Bahnsteigkarten, aber auf Transportlogistik zu setzen, 1991 mit einem Kran, der die Statue sicherstellte, auf dass sie eines Tages wieder aufgerichtet werden möge, 1917 mit einem verplombten Eisenbahnwaggon für einen gewissen Herrn Uljanow. Weiterlesen

The Way Mommy Bear Eats a Swarm of Fire Ants

that my body grows uncontrollably large
that every time a wound appears I cut up a small piece of cloth to cover it
cut up and cover, cover again then
find myself covered with a quilt blanket over my head
my mommy told me never get under a quilt blanket
never learn to quilt
she told me as I patch and patch I’ll never get out of poverty
that I’m now walking like a bundled up garbage quilt
that at one point you used to eat me bite me control me
use me but now I’ve become a quiet
thing like a bundle of garbage
that I smell like a homeless person who has become one with a pull cart
that when kicked lightly by front paws, I’m like a deer, roe deer
that I’m so huge to the point of dying
that there is only me on the freeway scorched by sun
that there are only things that run away when they see me
like the enormous gray bear that sleeps while it walks
like the enormous black lace cloud fluttering above eyelids
like the dump truck leaking dribbles of oil in the middle of a desert
like the house with rotten stairs and six feet of dust collected in the ceiling
that there is no one except me standing all alone
that I’m getting larger and larger
as I’m chased, chased off the road
that I’m filled with all the screams of the world
that there is nothing else but that

Weiterlesen

Mehr Licht – oder nicht?

Wohin die Ehrlichkeit führen kann. – Jemand hatte die üble Angewohnheit, sich über die Motive, aus denen er handelte und die so gut und so schlecht waren wie die Motive aller Menschen, gelegentlich ganz ehrlich auszusprechen. Er erregte erst Anstoß, dann Verdacht, wurde allmählich geradezu verfehmt und in die Acht der Gesellschaft erklärt, bis endlich die Justiz sich eines so verworfenen Wesens erinnerte, bei Gelegenheiten, wo sie sonst kein Auge hatte, oder dasselbe zudrückte. Der Mangel an Schweigsamkeit über das allgemeine Geheimnis und der unverantwortliche Hang zu sehen, was keiner sehen will – sich selber –, brachten ihn zu Gefängnis und frühzeitigem Tod.

 

Die Debatte über den durchsichtigen Menschen ist so aktuell nicht. Weiterlesen

Zur politischen Kultur des Neobiedermeiers

Vor sechs Wochen postete ich diesen von mir hier überarbeiteten und ergänzten Beitrag bei Wiesaussieht. Dazu gibt es ein Panel beim nächsten taz.lab am 12. April in Berlin. Um 11:15 Uhr rede ich im Orchideengarten des HKW mit Martin Reichert über meine Thesen.

Der Begriff der politischen Kultur erlebt Wiederauferstehung. Almonds und Verbas Studie aus den 50er Jahren traf die Unterscheidung zwischen parochialer Kultur, Untertanenkultur und partizipierender Kultur. Maßgebliche Untersuchungsgegenstände sind Aufbau und Struktur des Systems, Inputmöglichkeiten, Outputfähigkeiten und Selbstwahrnehmung.

Die deutsche politische Kultur eines Neobiedermeiers hat sich an der Schnittstelle zwischen parochialer Kultur und Untertanenkultur gemütlich eingerichtet. Der Fall des Abgeordneten Sebastian Edathy illustriert diesen Sachverhalt. Weiterlesen

Der Abklatsch einer Singularität

Heute Morgen lese ich Hans Blumenbergs „Begriffe in Geschichten“ und stoße auf den Eintrag „SINGULARITÄT“. Blumenberg geht darin auf die Figur des „Sie sind verhaftet“ ein und analysiert an der Formerfordernis dieses Satzes den Vorgang, mit dem sich Adolf Hitler 1934 zum obersten Gerichtsherrn und Vollzugsbeamten aufgeschwungen hatte. Weiterlesen

Halbweltkulturerbe

Manchmal passiert so etwas. Gestern Abend zum Beispiel. Volker Hauptvogel machte den Auftakt. Ein Wort gab das andere. Weiterlesen

Erst der Kater, dann der Vater

Dotzheim – Elysium, Öhrleins Trinkhalle, im Kopf jetzt die Stimme Hildegards, ein déjà-vu, von dem sie nichts wissen kann … Weiterlesen

Weltscherz: @NeinQuarterly im Gespräch

Am 18. März redete ich mit @NeinQuarterly im Roten Salon der Volksbühne. Anlass war die Premiere des E-Books „Über 140 Zeichen„, herausgegeben von Stephan Porombka im Frohmann Verlag.

Weiterlesen

Grabbeigaben

In der alten Welt gab es kaum etwas, wofür die Weisheit, der Weg sei das Ziel,  so glaubhaft gegolten haben mag, wie für den Sex. Nun gibt es implantierbare Geräte, die in der Kultur der instant gratification den Orgasmus per Klick versprechen. Und weg ist der Weg. Weiterlesen

Small Town Boy

Am Morgen haust du ab
Mit allem was du hast
In einem kleinen schwarzen Koffer
Stehst auf dem Bahnsteig
Wind und Regen
Auf dem traurigen verlorenen Gesicht.

Mutter wird nie verstehen
Warum du gehen musstest
Die Antworten, nach denen du suchst
Sind nicht zuhause zu finden.
Die Liebe die du brauchst
Gibt es zuhause nicht. Nie.

//Lauf weg, hau ab//

Rumgeschubst und getreten
Immer so ein Verlorener
Warst du der
Über den sie tuschelten
Wie sie dich herabsetzten.

Wie hart sie auch versuchten
Dich zu verletzen, bis du weintest
Schriest du nicht zurück
Nur zu dir selbst.
Nur zu dir selbst.

//Lauf weg, hau ab//

Cry, boy, cry.

Am Morgen haust du ab
Mit allem was du hast
In einem kleinen schwarzen Koffer
Stehst auf dem Bahnsteig
Wind und Regen
Auf dem traurigen verlorenen Gesicht.

//Lauf weg, hau ab//

Ihr kennt das Lied von Jimmy Somerville.

Was passiert in Falk Richters Stück? Reicht es aus, es unter der Rubrik „Homophobie“ zu vergrieneisen? Die Kritiker machen es sich zu einfach, wenn sie das Stück als sozial- oder postrealistisches Theater kategorisieren. Was irritiert sie so? Weiterlesen

Previous Posts Next Posts