© Gerard van Smirren

Verschärfen

Aus Gründen, die nicht kulinarischer Natur sind, feiert dieses Verb etwas zu dauerhaft Hochkonjunktur.  Hier folgen einige Beispiele aus der politischen Prosa, was sich verschärft oder was verschärft werden muss. Aus der Ferne erklingt in dem Wort das Handwerk des Scharfrichters, der seine Klingen einsatzbereit halten und entsprechend pflegen muss. Wer etwas verschärfen will, steht – wie unfreiwillig auch immer – in dieser Tradition.

Verschärft werden muss

  • die humanitäre Krise
  • Unterschiede der Wirtschafts- und Haushaltslage in den EU-Mitgliedsländern
  • bestehende Konflikte
  • das Arbeitnehmer-Entsendegesetz – mit der Generalunternehmerhaftung für die Einhaltung des Mindestlohns und die Abführung der Sozialversicherungsbeiträge
  • Einreisebestimmungen
  • das Waffenrecht
  • Gesetze gegen Hassverbrechen
  • das Netzwerkdurchsetzungsgesetz
  • Handelskonflikte
  • Gefahren jeder Art
  • Spannungen zwischen dem Iran und den USA
  • Hunger und Elend, wenn wir nicht handeln
  • Kinderarmut
  • das Problem (gleich welches)
  • das Elend der Globalisierungsverlierer
  • der Ton in der politischen Debatte
  • nationale Klimaschutzziele
  • eine Digitalisierung, die auf Fortschritt mit menschlichem Maß abzielt, die soziale Gegensätze und Ungleichheit nicht sehenden Auges verschärft (so redet der Bundespräsident)
  • der Umgang miteinander auf vielen Ebenen (die Bundeskanzlerin)
  • Abwässer im Trinkwasser
  • Auseinandersetzung um Ressourcen
  • und natürlich pandemische Maßnahmen gleich welcher Art.

Schärfe ist darüber abgestumpft. Es wäre besser, sie nur dann zu nutzen, wenn sie wirklich gebraucht wird, wie etwa beim Kochen mit  kleinen getrockneten Chili-Schoten. In der Politik ist das Verschärfen schon lange stumpf geworden.

 

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