© Gerard van Smirren

Achtsam

Nun leben wir schon über drei Jahre zusammen. Lola beobachtet mich, ich sie. Am Morgen sind es die fast ewig gleichen Routinen. Erst bereite ich mein Müsli zu, die Cafetière beginnt auf dem Gasherd zu fauchen. Lolas Fressnapf ist schon gefüllt (zur Zeit mit Reis, Apfelschalen und einem Nassfutter aus der Dose). Ich stelle ihn auf den Fressplatz, gieße den Espresso ein und nun, als ich das Müsli von der Arbeitsplatte auf den Küchentisch stelle, kommt der tägliche Augenblick, der mir das Herz weitet, weil der Hund so quer zwischen Tisch und Fressnapf steht, dass ich, ohne sie zu schieben, mich nicht hinsetzen könnte. Sie aber, während sie weiter wölfisch ihr Futter verschlingt, weicht mit dem Rumpf so zur Seite, dass ich auf meinen Platz gelange, ohne sie schieben zu müssen. Es bedarf keines Blickes, keines Wortes, keiner Geste, um sie zum Vollzug dieser Routine zu ermahnen, nein, sie hat es zu einer achtsamen Choreographie gebracht, um das Allerheiligste für den Hund, das Fressen, nicht unterbrechen zu müssen, mir aber zugleich Platz machen zu können.

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