© Gerard van Smirren

Distanz als Lernprozess

Ein Gastbeitrag von Tilo Jung

Der Titel dieses Blogeintrags verwundert, wenn man „Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte“ kennt. In meiner Rolle spiele ich einen jungen Journalisten, der einen Journalisten spielt. Das versteht nicht jeder. Das könnte mir egal sein, wenn mir nicht in jüngster Zeit Vorwürfe gemacht worden wären, die ich so nicht stehen lassen kann. Was die Gäste meiner Show sagen und wie sie dazu kommen, etwas zu sagen, das macht meine Rolle so spannend und das ermöglicht erstaunliche Augenblicke der Wahrheit. Es erfordert von mir ein spielerisches Verhalten, das mit dem, was ich selbst für politisch richtig oder falsch halte, nichts zu tun hat.

In den letzten Tagen hat ein Gesprächsgast auf seinem eigenen Blog einige Aussagen veröffentlicht, die mich zum ersten Mal als Macher von Jung & Naiv dazu veranlassen, mich zu distanzieren. Ich habe auf meiner Israel- und Palästina-Reise unter anderem auch mit Martin Lejeune gesprochen. Mich interessierte Mehreres: Was für Erfahrungen hat er als Journalist in Gaza gemacht? Wie beschreibt er seine eigene Rolle als Journalist auf einem Kriegsschauplatz? Wie publiziert er seine Beiträge? Welche Resonanz erzielen sie? Welche Folgen hat das für sein Rollenverständnis?

Seine Behauptung, er sei der einzige deutsche Journalist, der während der israelischen Bombardierungen im Gazastreifen gewesen ist, hat sich als unzutreffend erwiesen. Auch andere deutsche Journalisten waren zumindest für ein paar Tage während der Bombardierungen vor Ort. Unser besonderes Interesse an Lejeune weckte ein Interview von ihm, das er BBC World gegeben hat. Seither hat er in seinem eigenen Blog mehrere Einträge veröffentlicht, die nach meinem Verständnis mit dem professionellen Rollenverständnis eines Journalisten nicht zu vereinbaren sind. Aus einem Beobachter hat er sich offenbar in einen Parteigänger der Hamas verwandelt. Er berichtet nicht mehr unabhängig, lässt journalistische Ethik vermissen und scheint sich stattdessen instrumentalisieren zu lassen.

Für Jung & Naiv habe ich in drei Wochen 23 Folgen in Israel und Palästina produziert. Wir haben viele Stimmen und Positionen zum Konflikt hörbar gemacht, die ein anderes Bild davon vermitteln, worum es in dem Krieg tatsächlich geht. Diesen journalistischen Ertrag will ich durch Martin Lejeune nicht kompromittieren. Ich lasse die Folge mit ihm in meinem YouTube-Kanal stehen. Aber ich mache auch hiermit klar, dass ich seine Positionen nicht teile und seine neuesten Veröffentlichungen furchtbar finde.

69 Responses to Distanz als Lernprozess
  1. Carsten Wawer Antworten

    Einerseits bestätigt das den Eindruck den ich hatte, trotzdem macht es die Folgen nicht weniger interessant!

  2. daniela petry Antworten

    Hallo,

    mich würde mal sehr interessieren was Sie denn als unabhängig betrachten.
    Wenn sie die Wahrheit die uns hier ein einzelner mutiger Mann wie Hr. Lejeune nahe zu bringen versucht, „obrigkeitshörig“ als instrumentalisiert dahinstellen wollen, zeigen Sie doch selbst und umso mehr nichts anderes !
    Wenn Sie sagen die Berichte dieses Mannes seien nicht mehr unabhängig und lassen journalistische Ethik vermissen, dann können Sie ja wohl nur die Ethik zu ihrer eigenen Zensur meinen derer die gesamte Medienwelt unterlegen ist.
    Es ist immer wieder interessant und spannend zu verfolgen, wie diejenigen die mit dem Finger auf Andere zeigen, doch nur ihre eigenen Misstände damit aufzeigen wollen, denn haargenau diese sind es und nicht die des Hr. Lejeune.

  3. Tom Antworten

    Warum fühlst du dich gezwungen, dich zu distanzieren? Weil es um Israel/Palestina geht und die Ideologen aus ihren Ecken kommen und dir heiße Luft um die Ohren blasen? Oder hattest du das Gefühl das du dich im Zuge des Interviews und in der Zeit danach zu sehr auf Martins Seite geschlagen hast?

    Gerade mit der Erklärung machst du dich abhängig, auch von deinen zukünftigen Gästen. Auf der einen Seite, ja die Aussagen von ihm sind kritisch und du findest sie furchtbar. Auf der andere Seite, müsstest du dann auch anfangen dich von vielen deiner Interview Gästen im nach hinein zu distanzieren. Vom ukrainischen Swoboda Politiker, von Erika Steinbach…

    Ich hätte seine Artikel einfach für sich sprechen lassen, genau so wie deine Interviews oftmals für sich sprechen.

  4. Beate Gelzenleuchter Antworten

    Ich argwöhnte zuletzt auch.

  5. Peter Kassau-Schmook Antworten

    HalloTilo,
    Dein Mut, Dich zu distanzieren, bestätigt meine Einschätzung von Dir. Das adelt Deine Berufsauffassung.
    Angepasst sein können viele. Standfest bleiben und nicht der Norm hinterherlaufen wenige.
    Dafür Respekt!
    LG, Peter

  6. Ben Antworten

    „Ich lasse die Folge mit ihm in meinem YouTube-Kanal stehen. Aber ich mache auch hiermit klar, dass ich seine Positionen nicht teile“ – soll das heißen, du teilst die Positionen aller anderen Gesprächspartner?

    Und anzunehmen, Journalisten müssten immer neutral sein, ist nun wirklich naiv. Mag sein, dass er nicht ein geeigneter Gaza-Korrespondent für die Tagesschau wäre, aber dass er eine Meinung hat, kompromittiert nicht seine journalistische Ethik.

  7. Hans Antworten

    Also man hat natürlich gesehen gesehen, dass er sich als Journalist nicht genug von dem Geschehen distanziert, was ich persönlich aber nicht dogmatisch ablehnen würde, solche Art der Berichterstattung kann auch neu Erkenntnisse produzieren. Der Blogbeitrag mit den Kollaborateuren ist selbstverständlich abzulehnen. Nur ist jetzt das Problem für dich Tilo, dass du dich auch von anderen Interviewpartnern/Innen distanzieren musst, da du ja deine Position aufgegeben hast. Um in der selben Zeitreihe zu bleiben z. B. von Daniel Schueftan, der überspitzt zusammengefasst Araber als Untermenschen bezeichnet hat, die an allem selbst schuld sind. Natürlich könntest du jetzt auch „erwachsen“ werden und deine Ideale aufgeben, bzw. sie nur beachten wenn es dir gerade passt. Dann solltest du aber deine Sendung umbenennen in „Erwachsen & Vernünftig“.

    • Jochen Venus Antworten

      „Daniel Schueftan, der überspitzt zusammengefasst Araber als Untermenschen bezeichnet hat“

      Völlig daneben, Hans!

      • Hans Hütt Antworten

        Dieser „Hans“ ist ein anderer.

        Übrigens gibt es von mir ab Mitte September bei den Krautreportern in mehreren Folgen ein Tagebuch der Israel- und Palästinareise von „Jung & Naiv“. Den Auftakt macht das Gespräch mit Dan Schueftan, das in den Nuancen viel mehr mitzuteilen hat, als an der Oberfläche bisher wahrgenommen wurde.

        • Jochen Venus Antworten

          Errks, ist ja auch überhaupt nicht Dein Sound, hätte ich auch von selber drauf kommen können, sorry bzw. nochmals, anderer Hans, ich finde Deine ‚Überspitzung‘ einigermaßen ‚barbarisch‘! :-) -Und, Originalhans: bin sehr gespannt auf das Tagebuch!

      • Hans Antworten

        Ok er sagt aber an mehreren Stellen, das Araber Barbaren sind, ihre „eigenen Brüder“ schlecht behandeln usw. Auch das sie selbst daran Schuld sind, dass sich ihre Lage nicht verbessert. Relativiert natürlich alles mit dieser Aussage, die man immer wieder hört. Ich habe ja nichts gegen die, aber….außerdem hab ich auch Freunde die sind selber welche.
        Inwiefern ist meine Überspitzung „Völlig daneben“. Kannst du mir das erklären?
        PS: Hans hab ich nur so als Randomname gewählt, ich wusste nicht das es einen anderen Hans noch gibt

    • Jochen Venus Antworten

      @R-Hans

      Na, ‚Untermensch‘ ist nun einmal eine Vokabel der NS-Rasseideologie. Deine ‚überspitzte Zusammenfassung‘ stellt Schueftan auf eine Stufe mit Heinrich Himmler, der 1942 eine Hetzschrift mit diesem Titel veröffentlicht hat. Du vollziehst damit einen rhetorischen Move, der eine nüchterne Analyse eher behindert als ermöglicht. Daher: völlig daneben.

      • Hans Antworten

        Ich stelle ihn gleich mit Heinrich Himmler? Bist du dir da sicher? Also darf man dann auch niemanden als Rassisten/In bezeichnet, auch wenn diese beliebige Person rassistische Äusserungen von sich gibt. Nach meiner Ideologie/Paradigma kann man Menschen, die rassistische Sprüche von sich geben und diese auch mit der rassistischen Rhetorik relativieren, ruhig als Rassisten/In bezeichnen. Wie ist deine wenn, ich fragen darf? „Nüchterne Analyse“ hört sich für mich nach „Ich bin Objektiv, die anderen sind subjektiv an“. Oder verstehe ich dich falsch und du stimmst mir im Grunde zu, findest aber die Wortwahl, aus historischen Gründen, nicht passend? Dann würde aber „Völlig daneben“ nicht wirklich passen.

      • Jochen Venus Antworten

        Was Du, @R-Hans, über Dan Schueftan DENKST, kann ich nicht beurteilen, ich kann nur lesen, was Du SCHREIBST. Und Deine Wortwahl hat den von mir beschriebenen rhetorischen Effekt, Schueftan in die Tradition des NS zu rücken. Das wird ja von Kritikern der israelischen Politik oft gemacht. Ich halte das für unzweckmäßig, wenn man an einer sachlichen Diskussion (das meine ich mit ’nüchterner Analyse‘) interessiert ist.
        Sind Dan Schueftans Äußerungen über die arabische ‚Barbarei‘ rassistisch? Würde ich nicht sagen. Sie sind pauschalierend und abwertend. Das schon. Daran kann man sicher Anstoß nehmen. Ich fand an dem Interview aber eher bemerkenswert, dass Schueftans Aussagen m.E. symptomatisch für eine resignative, vollständig reaktiv denkende politische Stimmung ist. Und das ist ein politisch auf Dauer unhaltbarer Zustand, glaube ich. Schueftans Empfehlung, den Kriegszustand als Normalität zu akzeptieren, beruht auf der Illusion, dass das überhaupt geht: einen Kriegszustand als Normalität zu akzeptieren.

  8. Rosamunde Antworten

    Ich finde die Distanzierung vollkommen richtig und wenn der Autor fühlt, dass sie notwendig ist, dann sollte er das doch bitte tun dürfen. Ich verstehe es auch als teilweise Richtigstellung, da sich der Claim Lejeunes, er sei der einzige Deutschsprachige in Gaza gewesen, doch als unwahr herausgestellt hat.

    In seinem Interview hätte Lejeune an eine interessante größere Debatte anschließen können, dämlich die der abnehmenden Zahl ausländischer Korrespondenten und der immer geringer werdenden Bereitschaft von Medienanstalten, eigene und feste Mitarbeiter in Krisengebieten zu senden (wofür es zum Teil ja auch gute Gründe gibt).

    Das Interview war aber sehr Ich-bezogen, er hat sein betriebswirtschaftliches Berufsrisiko als Freelancer („Keiner interessiert sich für meine Berichte!“) verkauft als systematisches Desinteresse an integrer und boden-ständiger Berichterstattung. Integrität, Objektivität und angemessene Distanz zum Subjekt sind dann seine wichtigsten journalistischen Verkaufsargumente – und die sind mit den letzten Einträgen und Auftritten eindeutig geschwächt worden.

    • Hans Antworten

      @Rosamunde: 1. Hat jemand Tilo verboten, sich zu distanzieren? Ich glaube nicht. Wenn man aber öffentlich etwas sagt und die Möglichkeit bietet darauf zu antworten, dann sollte man auch mit Kritik rechnen.
      2. Auch andere Interview Gäste bei Tilo haben Blödsinn erzählt und waren Ich-Bezogen z.B. Ken Jebsen. Sollte sich Tilo jetzt auch von ihm distanzieren?
      3. Wörter wie „Integrität, Objektivität und angemessene Distanz“ sind nichts weiter als bedeutungslose Worthülsen, hinter denen sich nur diffuse Gefühle und die eigene Ideologie befindet

      • Rosamunde Antworten

        1 – verboten natürlich nicht.
        2 & 3 – nein eben nicht. Es ist ja nichts Neues, dass der Nahostkonflikt mit sehr hoher Emotionalität beobachtet und bewertet wird, selbiges gilt auch für die Berichterstattung darüber. Integrität mag für Sie eine Worthülse sein. Andere Menschen nennen das sozial konstruiert (somit natürlich in gewisser Weise ideologisch) und die heftigen Reaktionen auf Lejeune sind meiner Meinung nach Beweis genug, dass er offensichtlich Grenzen überschritten hat, die viele andere aber nicht er gesehen haben. Wenn man die Arbeit eines Journalisten über die Orthographie hinausgehend bewerten möchte, wird man immer Begriffe mit ideologischer/normativer Färbung benutzen müssen.

        • Hans Antworten

          Jetzt ohne Bezug auf Lejeune. Verstehe ich Sie richtig „heftigen Reaktionen“ sind für Sie der Beweis ob etwas gut oder schlecht ist?
          Und ja Sie haben natürlich Recht bei so etwas wird man ideologische/normative Begriffe meistens verwenden müssen. Ich wollte dies auch nicht kritisieren, scheinbar habe ich mich nicht deutlich ausgedrückt. Was mir missfallen hat war der Versuch dies zu verstecken, in dem Sie Wörter wie „Objektivität“ benutzt haben

  9. Andreas Antworten

    Ganz ehrlich, Tilo: Ich verfolge Episode Deiner Interviews. Zweimal fand ich die Interviewpartner völlig daneben. Der erste war Ken Jebsen auf seiner wahnsinnigen Mission gegen der Rest der Welt. Die Sendung selbst war interessant. Im Nachhinein bleibt wegen seiner Verstrickung als Strippenzieher der „Montagsdemos“ ein sehr fader Beigeschmack.

    Der zweite war eben dieser Journalist. Ich hatte den Eindruck, die ganze Sendung wäre ein Werben in seiner eigener Sache gegen alle Berufskollegen und bösen, an ihm völlig desinteressierten deutschen Medien. Die haben wohl einen sehr guten Grund gehabt, diesen Menschen zu ignorieren.

    Egal, shit happens, freue mich trotzdem auf die neue Folge.

  10. Max Antworten

    > …wenn mir nicht in jüngster Zeit Vorwürfe gemacht worden wären…

    Lieber Tilo Jung! Das sollte dich einfach nur kaltlassen!

    Vielmehr hättest du in diesem Blog schreiben sollen: Ich werde auch in Zukunft immer wieder Menschen interviewen, die kontroverse Meinungen vertreten. Deal with it.

    Wer ein Problem mit Martin Lejeune hat soll sich halt mit ihm auseinandersetzen. Oder ihn ignorieren.

    Was wollen die Vorwürfler denn? Das es keine aufschlussreichen Interviews mehr gibt, sondern nur mehr circlejerks mit Meinungsdeckungsgleichen? Echokammern gibt’s schon genug im Netz.

    Wer ein so fragiles Weltbild hat, dass er andere Standpunkte nicht erträgt, sollte das mit dem Internet vielleicht einfach lassen und nur mehr ARD/ZDF schauen.

    Natürlich will jeder Interviewte seine Standpunkte und seine Propaganda loswerden, aber mit deiner Fragetechnik sabotierst du das immer wieder recht gut.

    Ist es nicht total offensichtlich, dass du nicht jede Meinung jedes Interviewten teilst?

    Vielleicht ein disclaimer vor jedem Video?:

    Interview != endorsement

    • Jochen Venus Antworten

      „In meiner Rolle spiele ich einen jungen Journalisten, der einen Journalisten spielt. Das versteht nicht jeder.“

      Und das ist auch sehr gut so! Das Risiko des Missverständnisses erst macht die Interviews so informativ! Ich verstehe sehr gut, dass Du das Bedürfnis hast, Dich von Lejeune zu distanzieren. Aber ich glaube, Du kannst voll auf die Grundaussagen Deines Formats vertrauen, die sich in jedem Deiner Interviews zur Geltung bringen: Es gibt keine Obertopchecker! Es lohnt sich, nachzufragen und zuzuhören! Die Person ist nicht identisch mit ihrer Funktion!

      „Jung und Naiv“ verhält sich zum gewöhnlichen TV-Interview wie, sagen wir, „The Wire“ zu einem Schimanski-Tatort. Die Sorge, irgend so ein Lejeune könnte das kompromittieren, ist vollkommen abwegig.

  11. f.luebberding Antworten

    Man sollte schon den Artikel von Lejeune zu den Exekutionen sogenannter „Kollaborateure“ lesen, um diesen Artikel von Tilo einordnen zu können. Das erklärt manches – und warum es eben nicht um das Interview mit ihm ging. Selbstrednd kann man über die Berichtersattung zum Nahost-Konflikt diskutieren. Nur hier ging es um die Berichterstattung von Lejeune, der sich übrigens explizit auf Quellen der Hamas bezogen hat und diese distanzlos als eine eigene Sichtweise wiedergab.

  12. seTom Antworten

    Hej Thilo Jung,

    die Überschrift „Distanz als Lernprozess“ finde ich herausragend.
    Mich würde ein Artikel der zu dieser Überschrift passt sehr interessieren.
    Ein paar naive Fragen als Anstoß:
    Was bedeutet Distanz? Was ist ein Lernprozess? Muss man nicht schon perfekt sein, bevor man anfängt? Findest du du hast jetzt fertig gelernt? Wovon nochmal genau distanzierst du dich? Wie denkst du über deine Aktivität auf Twitter? Wie kann das, was Martin Lejeune macht, J&N kompromitieren? Wann würdest Du einen Beitrag aus youtube entfernen?
    Hans Hütt sagt, die gemeinen Erkenntnisse aus den Interviews sind zu oberflächlich. Wie kann das Format J&N dabei helfen in die Tiefe vorzudringen?

    Beste Grüße.

  13. seTom Antworten

    sorry Tilo

  14. zut Antworten

    Thilo, mir wird nach deiner Erklärung noch nicht richtig klar, warum du besonders zu diesem Interviewpartner auf Distanz gehst? Du hattest schon viel krassere Interviewpartner, von denen du dich eigentlich auch distanzieren müsstest. Wo könnte man dir fehlende Distanz unterstellen? Die Argumente, die du nennst, betreffen deinen Gesprächspartner, nicht dich. Er hat mit seinem letzten Blogbeitrag klar erkennen lassen, wie er “neutrale und gute Berichterstattung” als freier und unabhängiger Journalist versteht. Er hat sich damit selbst disqualifiziert. Welche Fehler habt aber ihr von Jung und Naiv gemacht? Welche Distanz müsst ihr lernen? Das interessiert mich sehr. Im Interview ist mir da nichts aufgefallen. Du stellst Fragen und mutmaßt naiv, aus welchen Gründen seine Beiträge von den deutschen Medien fast durchgehend abgelehnt wurden. Und Martins antworten lassen mehr und mehr erahnen, dass da irgendwas nicht stimmt. Den Beleg hat er schließlich selbst mit seinem Blogbeitrag geliefert.

    PS Nur echt selten habe ich mal ein Grummeln im Magen, weil du dich bei deinem Spiel als naiver Journalist von deinem Gesprächspartner ausspielen lässt und mir in dem Moment die naive, irritierende Frage fehlt, um uns alle auf Distanz zu bringen und die einfachen Wahrheiten und Positionen zu überdenken.

    Aber das ist auch das aller schwierigste und wohl nur mit viel Erfahrung, Intuition und perfektem Naivitätszustand an einem guten Tag zu schaffen!

    Mach weiter so! Die Gefahr eines Martins sehe ich bei dir derzeit nicht!

  15. Jörg Antworten

    So wie ich JuN bisher verstanden habe liegt der Erkenntnisgwinn von Tilos Interviewstil ja gerade in seiner scheinbaren Naivität, die den Interviewten geradezu provoziert, dem Jungspund mal zu erklären, wie es nach eigener Sicht wirklich zugeht – und im Eifer dieses „Nachhilfeunterrichts“ auch in Stil und Duktus viel mehr über die eigene Position preiszugeben, als gegenüber einem abgebrühtem Profi.
    In sofern wäre eine Distanzierung auch meiner Meinung nach nicht nötig gewesen, denn der Interviewte richtet sich so quasi selbst – vor allem, wenn die Zuschauer ihn mit anderen Gästen vergleichen, die viel weniger in eigener Sache jammern.
    Außerdem ist ein Interview in JuN ja nicht der Friedensnobelpreis, bei dem sich die Juri bisweilen Fragen lassen muss, wie sie eigentlich einen Menschen ehren konnte der sich im Nachgang als wenig ehrenhaft dargestellt hat. Bei einer so kleinen Redaktion greift man natürlich auch mal daneben – und das ist im Fall Lejeune sicher vielen aufgefallen gerade im Vergleich zu den vielen hochkarätigen Gästen im nahen Osten.
    Ich will Tilo aber auch zugestehen, dass er überhaupt nicht naiv ist und sicher eine ganz klare eigene Meinung zu den Dingen hat und vor manchem Interview sicher Tonnen von Kreide fressen muss, um die Naivität seines alter ego durchzuhalten. Das ihm dann hinterher außerhalb seiner Rolle bisweilen mal die Hutschnur hochgeht und er doch mal was sagen muss, wenn er das Gefühl bekommt dass er einem gnadenlosem Selbstdarsteller auf den Leim gegangen ist kann man ihm nicht verdenken. Aber zu häufig sollte es nicht vorkommen, denn sonst könnten auch die Selbstdarsteller davon Wind bekommen und vorsichtiger antworten anstatt sich wie eben Herr Lejeune auf das Beste selbst zu demontieren.

  16. Terri Antworten

    Hallo zusammen,

    Habe jetzt alles gründlich durchgelesen. Nun möchte ich gerne mit Euch mit diskutieren.

    Ich habe sowohl die Videos der Interviews zwischen Thilo und Martin gesehen, als auch viele anderen. Ich bin Fan der naiven Fragen.

    Nachdem ich das Video gesehen habe, folgte ich Martins Facebookseite und habe mir auch seine Texte angesehen.

    Ich verstehe den ganzen Wirbel jetzt wirklich nicht. Die Interviews waren super. Natürlich ist Martin nicht so distanziert, wie eben jene Reporter, die aus gutem Grund in einem Hotel leben und auch von dort aus berichten. Sind wir doch mal ehrlich, das hat uns doch alle beeindruckt! Mich zumindest sehr. Spätestens, als ich die Aufnahmen gesehen habe, als dieses Hochhaus vor wenigen Tagen beschossen wurde und anschließend eingestürzt ist, dachte ich mir: „Scheiße – an jedem anderen Ort wollte ich lieber sein, als in einem kleinen Landstrich, umgeben von Mauern und Wachtürmen. Eingekesselt, nur mit dem nötigsten versorgt und jeden Tag hört man es krachen und knallen. Man weis am Abend nicht, ob man am morgen wieder aufsteht. Ob es einen selbst trifft, Angehörige oder Freunde.

    Ich selbst habe in den letzten Tagen viele Kinderleichen auf Aufzeichnungen gesehen. Wenn ich nachts wach liege, frage ich mich ernsthaft, ob mich die Bilder noch lange verfolgen werden.
    Aber so wie Martin eben auf seine Art versucht, uns den schrecken eines Krieges nahe zu bringen, indem er sich über längere Zeit bei einer privaten Familie einquartiert ist zugegeben sehr ungewöhnlich. Das ist dann auch der Punkt auf den ich hinaus will.

    Wenn man unter Reportern aus aller Welt von einem „sicheren“ Dach aus berichtet und dabei ein Silvester ähnliches Panorama erhält und dann nach Arbeitsende mit den Kollegen noch ein Feierabendbier trinkt hat man sicherlich nicht das Problem, der hier kritisierten Distanzlosigkeit.
    Selbst die Mitarbeiter im Hotel, in dem jede Annehmlichkeit trotz des Bombardements weiter bestehen lassen sich nichts anmerken. Glauben Sie mir, ich war selbst eine Zeit in der Hotellerie beschäftigt, der Gast merkt nicht, wenn mit dem Wohlbefinden eines guten Mitarbeiters nicht stimmt. Ich habe den Selbstmordversuch einer Kollegin nicht einmal erahnt, so eine gute Schauspielerin war sie.

    Ich will darauf hinaus, das es für mich menschlich ist, das Martin emotional eingebunden ist. Aber warum denn auch nicht?
    Jeder Fußballreporter verdient mit Emotionen sein Geld.
    Ich für meinen Teil möchte nicht nur nüchterne Fakten in einem Kriegsbericht lesen oder sehen. Dazu brauche ich keinen Reporter. Wenn man zählen will, wie viele Autos in einem Flüchtlingskonvoi zerschossen wurden kann man sich auch Satellitenbilder vom Schreibtisch ansehen. Die Anzahl der Toten erfährt man von den Krankenhäusern. Zivile opfer mit 3 multiplizieren und die eigenen Verluste werden um diesen Faktor dividiert. So lese ich diese Berichte, ich, subjektiv. Denn wer so naiv ist, offizielle Zahlen zu glauben, der sollte sich nicht mit so schlimmen Themen auseinandersetzten.

    Ich weis nicht mehr wer so schlau war und sagte „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“ <– Zitat und so ^^

    Klar hatte Martin eine Botschaft, die hat er auch oft genug wiederholt.

    "Kein großes Medienhaus hat Interesse an seinen Berichten", "Er war ganz alleine im Gaza" – alles überzogen ausgedrückt.
    Ja klar hat sich Martin das anders vorgestellt. Der ist doch nicht älter als Thilo. Ja wenn man sich heute einen Namen machen möchte dann muss man eben etwas neues versuchen.
    Thilo stellt naive Fragen und verleitet so ziemlich ausgefuchste Interviewparter zu Aussagen, die sie so, sonst sicherlich nicht getroffen hätten.
    Martin geht eben Risiko und spart sich die Hotelkosten und zieht bei einer Familie ein.

    Ja hallo!?! Warum sollte man ihm denn daraus einen Strick drehen?
    Es darf doch jeder Reporter seinen subjektiven Eindruck in die jeweiligen Berichte einfließen lassen. Ich will keine Bilanzen lesen, ich will fühlen, wie es sein muss.
    Nicht mal die beschissenen Börsennachrichten werden ohne Emotionen verbreitet.

    Ich verstehe aber wirklich nicht, warum sich Thilo ausgerechnet von Martin distanzieren muss. Tun ich ja auch nicht! ^^

    Ernsthaft. Naiv gefragt: Warum?

    Weil er einen Artikel geschrieben hat, in dem berichtet wurde, das 18 von einem Gericht rechtskräftig Verurteilte wegen Spionage zum Tode verurteilt und dieses dann vollzogen wurde?

    Wo ist denn da die Relation? Was machen die Amis in jedem Monat mit der Giftspritze, dem Stuhl und sonstigen "Techniken". Da sind die ja erfinderisch.
    Wenn es nicht wieder etwas länger dauert (so ab 12-15Min) schert sich doch niemand darum.

    Jetzt fallen im Gaza seit einem Monat Bomben und über 2100 Menschen kamen ums Leben. Was soll man sich denn bitte über 18 hingerichtete aufregen? Das sind nicht einmal 1/3 der Menschen, die auf israelischer Seite während des jetzigen Krieges gefallen sind.

    Und zum Thema der Distanz:

    Ich habe mir echt fast alle Deiner Videos angesehen @Thilo, aber anstelle, das Du Dich von echten Spinnern, wie z.B. unsere Ahnungslosen Drogenbeauftragten distanzierst, feindest Du nun auf diese Art einen jungen Kollegen an, der offensichtlich keiner von den Bösen ist.
    Im Verhältnis, du dem, wie lange ihr schon eure Arbeit macht, zudem, wann ihr in Rente geht, seid ihr noch Berufsanfänger. Ist doch das normalste der Welt, das man da noch Fehler macht. Und nun, lieber Thilo hast du selbst einen Bock geschossen.

    In meinen Augen, lieber Thilo hast Du heute an Glaubwürdigkeit verloren. Keine Ahnung wer Dich unter Druck setzt, aber ich habe nicht den Eindruck, als würdest Du Dich von Martin distanzieren wollen, sondern vielmehr zu diesem Artikel. Gut, vielleicht könnte es ja daran liegen, das Du nicht immer Jung und naiv sein willst.

    Dafür habe ich sogar Verständnis. Denn mit, ich habe eben nochmal nachgesehen, mit 12.029 Abonnenten auf Youtube bist Du auch noch kein heller Stern am Reporterhimmel. Mir ist auch klar, das Du wohl nicht ewig in kurzen Hosen für wenig Geld in der Welt herum tingeln möchtest um Deine Interviews zu produzieren. Das wäre in 10 Jahren keine wirklich tolle Zukunftsperspektive.
    Jetzt zieht der Martin gemeinsam mit Xavier Naidoo über die Montagsdemos und sorgt dafür, das der Spiegel seine letzten par Abonennten verliert.

    Mal eine andere naive Frage: Ist Eure Redaktion schon negativ betroffen oder soll das nun der Vorsorge dienen?
    Oder vielleicht : Haben etwa schon Interviewpartner vereinbarte Termine abgesagt oder zumindest damit gedroht?
    Ja wer A sagt …

    Wie Du siehst, lieber Thilo, hast Du Dir ein anspruchsvolles Publikum ausgesucht.

    Mein Vorschlag:

    Sprich doch nochmal mit Martin. Stell die Kamera auf und geht Fair miteinander um.
    Meiner Ansicht nach, seid Ihr nämlich beide gut.
    Ich geh sogar noch weiter und behaupte, Ihr beiden seid die besten jungen Reporter, die ich seit langer Zeit sehe.
    Wäre ja schade, einem ausgedienten System weiter die Füße zu Küssen, mit dem festen Wissen, das sich gerade einiges ändert.
    Das nennt sich Generationenwelchsel, der findet jetzt gerade statt!

    Ich komme zum Schluss, vielen Dank fürs lesen. Ich wünsche Euch das Beste.

    Gruß

    • Jamal Naim Antworten

      Ich bin 100% Ihrer Meinung. Ich lebe in Gaza und habe Martin bei vielen Interviews begleitet. Er ist ein supertalent und ein ehrlicher Reporter. Sein Problem ist, dass er anders als „erwartet berichtet“

    • Uta Antworten

      Wow Terri, du sprichst mir sowas von aus dem Herzen.. Vielen vielen Dank für diese Zeilen. Einfach herrlich, das zu lesen. Ich hoffe sehr, Thilo hat das auch gelesen und Thilo, ich würde jetzt wirklich gerne eine Antwort von dir lesen. Mir geht es genau wie Terri und ich weiß nicht, wie ich dich jetzt einschätzen soll. Das du dich von Lejeune distanzierst gefällt mir jedenfalls gar nicht. Hoffe auf Antwort. Liebe Grüße, Uta

  17. Jamal Naim Antworten

    Die Grenzen, die Martin Lejeune scheinbar ueberschritten hat, sind Grenzen die man selbst herstellt. Der israelisch palaestinensische Konflikt is massiv von Emotionen, aber auch von Propaganda beeinflusst, sodass man ganz vorsichtig liest, was veroeffenlicht wird. Die palaestinensische Seite war immer die schwaechere Seite, besonders in den deutschen Medien, da man fast ausschliesslich journalisten hoerte, die in ihren klimatisierten Bueros in Tel Aviv sassen, und von den geschehnissen in Gaza berichteten. Herr Lejeune war hier in Gaza als einziger deutscher Journalist, da die anderen nur waehrend des Waffenstillstandes nach Gaza kamen und bevor der zu ende war waren sie schon ausserhalb der Grenze. Er hat von dem berichtet, was er erlebt und gesehen hat, hat gefuehlt, as die einfachen Menschen in Gaza gefuehlt haben. Er hoerte die Raketeneinschuese und die Explosionen der Artilleriebomben. Er hat zerfetzte Leichen und enthauptete Kinder gesehn, deswegen hat er anders berichtet. Ich lade jeden deutschen Journalisten nach Gaza zu kommen, um wirklich die Wahrheit und die Wirklichkeit zu erleben und nicht nur aus 4000 Km durch die manipulieten Fernsehbilder zu beobachten und darueber zu berichten.
    Die Wahrheit soll weder von den Sperechern der Hamas noch der Israelis genommen werden, die ist in den Muendern der einfachen Menschen, der Kinder, der Frauen in Gaza zu sehen und zu hoeren.
    Dass Herr Lejeune Sachen zeigt, die man nicht kennt, ist ein Bonus fuer ihn, da er mit zero Zensur berichtet.

  18. Harry Schneider Antworten

    welcher ihrer vorigen Gesprächspartner hat Sie dazu bewegt sich zu distanzieren etwa Major Sharez ?:)

  19. ronjaRT Antworten

    „Er berichtet nicht mehr unabhängig, lässt journalistische Ethik vermissen und scheint sich stattdessen instrumentalisieren zu lassen.“ Besser hätte man es nicht ausdrücken können… http://bittegehensie.blogspot.de/2013/07/tilo-jung-ist-27-jahre-alt.html

  20. Günther Pagel Antworten

    Lieber Tilo Jung, es erstaunt mich doch sehr, wie sehr Du Deine journalistischen Qualitäten erklärst, während Du Lejeune „Parteigängerschaft“ unterstellst. Ich möchte auf zwei Dinge hinweisen:

    1.) Wie wenig Qualität weist es auf, wenn ein Journalist ein Interview mit Lejeune führt, ohne zuvor dessen Blog gelesen zu haben? Seit bestehen seines Blogs ist seine Israelkritik deutlich lesbar. Sprich: Hättest Du, lieber Tilo, einen Menschen mit einer anderen Haltung interviewen wollen, hättest Du zuvor bessere Recherchearbeit leisten müssen. Was heißt „bessere“: Überhaupt irgendwelche!

    2.) Unabhängig von der Frage, ob Lejeune Dir gegenüber tatsächlich behauptet hat, er sei derzeit der „einzige“ Journalist in Gaza, ist es doch sehr „naiv“ von Dir, dies zu glauben. Eine einfache Recherche im Netz hätte Dir gezeigt, dass das nicht stimmt, der gesunde Menschenverstand hätte Dir mit ein wenig Nachdenken dasselbe Ergebnis geliefert. Sollte Lejeune dies behauptet haben – was Lejeune selber abstreitet -, ist es erstaunlich, dass Du das dennoch in Dein Interview ungeprüft und unbezweifelt mit eingeflochten hast.

    Kurz: Ich persönlich glaube Dir nicht, dass Du den naiven Reporter nur spielst. Ich erkenne in dem von Dir oben Geschriebenen Indizien, die darauf hinweisen, dass Du tatsächlich genau so naiv bist, wie Du in Deiner Sendung „Jung & Naiv“ zu schauspielern vorgibst. Kleiner Ratschlag: Sieh zukünftig zu, dass Du Interviewpartner heraussuchst, denen Du auch gewachsen bist. Seine eigene Journalistische Unzulänglichkeit nämlich im Nachhinein auf Kosten des Rufes des Interviewpartners reinzuwaschen, erscheint mir doch sehr (!) billig.

    Mit freundlichen Grüßen: Günther Pagel

    • Benjamin Brühlo Antworten

      Treffer!

  21. Matt Antworten

    Terri, leider möchte ich nicht mit Dir diskutieren sondern nur meine Zustimmung zum von Dir Gesagten ausdrücken.

    Bin etwas enttäuscht von der reflexartigen Abwehr die J&N hier zeigt.
    Nicht ein Hauch von Verständnis für Lejeunes Position, stattdessen politisch korrekte Distanzierung.

    Ich bin kein Befürworter von Tod als Strafe, aber ich kann verstehen, dass jemand der solch traumatische Erfahrungen wie Lejeune gemacht hat und den Tod vieler Unschuldiger direkt erlebt hat, momentan nicht die selbe Distanz zum Handeln der beteiligten Parteien hat wie manch einer der in Deutschland verweilenden Journalisten…

    Für mich ist Lejeune nicht der distanzierungswürdigste Gesprächspartner bei J&N gewesen, und dass dies trotzdem geschieht finde ich arm.

  22. Salim Antworten

    Und ich versteh noch ne Sache nicht ganz. Leujene wirfst du vor „Parteigänger der Hamas“ zu sein, weil er durchaus Verständnis für deren Handlungen aufbringt. Allerdings hast du überhaupt kein Problem damit, einen Pressesprecher der anderen Kriegspartei zu interviewen. Hier wird wieder diese Doppelmoral deutlich. Für zu viele bleiben Israel und seine Armee die moralischeren. Es soll der Anschein erweckt erweckt, dass die Hamas ersteinmal prinzipiell der „Böse“ ist und eine böse Absicht hätte, wie etwa die Juden als Ganze vernichten zu wollen. Israel jedoch an sich eine gute Absicht verfolge, nämlich sich und seine Bürger schützen zu wollen, dabei jedoch Tausende Zivilisten tötet, was in Maßen kritisiert werden darf, ohne jedoch die israelischen Absichten zu hinterfragen. Ist das wirklich ausgewogenheit?

    Viele sehen auch die palästinensische Sicht der Dinge komplett unterschlagen. Demnach übe die Hamas, und das gibt Leujene nur wieder, ein Recht auf bewaffneten Widerstand gegen eine ihrerseits schwer bewaffnete Besatzungsmacht aus. Wäre das nicht eine echte ausgewogene Sicht? Auch mal solche Stimmen zu Wort kommen zu lassen, statt sie mit Schlagwörtern wie „fundamentalistisch“, „radikal“ oder „islamistisch“ zu dämonisieren.

    • Tilo Antworten

      Wir haben sowohl den IDF-Sprecher als auch den Hamas-Sprecher interviewt. Dass die palästinensiche Sicht der Dinge „komplett“ oder auch nur halbwegs unterschlagen wird, ist mit Blick auf die bereits veröffentlichten sowie die noch anstehenden Folgen, absurd.

  23. Jakob Müller Antworten

    Der Artikel wirft für mich mehr Fragen auf als er beantwortet:

    1. „…wenn mir nicht in jüngster Zeit Vorwürfe gemacht worden wären, die ich so nicht stehen lassen kann.“

    Was waren das für Vorwürfe? Wenn du sie nicht nennst wie kannst du sie dann widerlegen?

    2. „In den letzten Tagen hat ein Gesprächsgast auf seinem eigenen Blog einige Aussagen veröffentlicht, die mich zum ersten Mal als Macher von Jung & Naiv dazu veranlassen, mich zu distanzieren.“

    Was waren diese Aussagen? Von wem oder was genau distanziert du dich? Wieso muss man sich von etwas distanzieren, was jemand in seinem eigenen Blog schreibt, nachdem man ihn interviewt hat? „Distanz“ ist so doch schon automatisch gegeben.

    3. „Seine Behauptung … hat sich als unzutreffend erwiesen“.

    Aus dem Interview mit der Drogenbeauftragten haben sich Dutzende Behauptungen als unzutreffend erwiesen. Warum ist Lejeunes unzutreffende Behauptung so viel schlimmer als alle anderen in den 190 vorherigen Folgen? Wiederum stellt sich hier die prinzipielle Frage, warum sich Tilo von etwas distanzieren muss, was jemand anderes gesagt hat, mit dem er nicht assoziiert ist.
    Übrigens wird unter dem Interview-Video noch genau diese Aussage: „…einziger deutscher Journalist…“ von J&N als Fakt präsentiert . Muss sich J&N also von J&N distanzieren?

    4. „Seither hat er in seinem eigenen Blog mehrere Einträge veröffentlicht, die nach meinem Verständnis mit dem professionellen Rollenverständnis eines Journalisten nicht zu vereinbaren sind. “

    siehe 2.

    5. „Aus einem Beobachter hat er sich offenbar in einen Parteigänger der Hamas verwandelt. Er berichtet nicht mehr unabhängig, lässt journalistische Ethik vermissen und scheint sich stattdessen instrumentalisieren zu lassen.“

    Hier findet man vier verschiedene Behauptungen über Lejeune, ohne dass eine einzige davon belegt wird. Wie kann der eine Link zu dem einen Blogeintrag, dessen „unethische“ Aussagen auch alle als Wiedergabe des Inhalts eines Hamas-Briefes interpretiert werden können, als ausreichender Beleg für diese massiven Vorwürfe angesehen werden?

    6. „Diesen journalistischen Ertrag will ich durch Martin Lejeune nicht kompromittieren.“

    In Zukunft kann man jedes Mal, wenn ein Interviewgast etwas Unwahres sagt und jedes Mal, wenn ein Gast nach dem Interview irgendwo schlimme Sachen behauptet, von J&N verlangen, dass sie sich auch von diesem Gast distanzieren oder die „Nichtdistanzierung“ begründen.

    Wenn J&N anfängt, sich als Ethik- u. Moral-Richter zu betätigen, kompromittiert es sich selbst mehr als irgendein Interviewgast dies könnte, denn es legt seine Naivität ab.

  24. thorsten Antworten

    “Seine Behauptung … hat sich als unzutreffend erwiesen”.

    Ich hatte mir das Interview angesehen.

    Geäussert hat er das lediglich mit diversen Einschränkungen. Er hätte natürlich nicht alles mitgekriegt. Wenn er sich täusche, solle man Ihn bitte darauf hinweisen etc.

    Die „Distanzierung“ wirft, wie Jakob Müller bereits zurecht bemerkt hat, mehr Fragen auf als sie beantwortet.

    Unabhängig davon: Martin Lejeune hat seinen zu Recht kritisierten Artikel deutlich entschärft, ohne auf die Änderungen hinzuweisen. Er scheint von der Situation oder generell völlig überfordert zu sein.

    Hier der Vergleich alt (googlecache) – neu:

    http://de.scribd.com/doc/237867917/Kollaborateure-Gefahrden-Das-Leben-Vieler-Unschuldiger-Menschen-alt-txt-Kollaborateure-Gefahrden-Das-Leben-Vieler-Unschuldiger-Menschen-neu

  25. Roland Thele Antworten

    Ich halte es für legitim, dass Tilo Jung sich im Nachhinein zu einem seiner Gesprächspartner äussert, wenn er das Gefühl hat, zwischen ihm und dessen politischen Aussagen Distanz verdeutlichen zu müssen. Allerdings habe ich trotzdem noch einige Dinge anzumerken, weil mir das ‚wie‘ dieser Distanzierung nicht so ganz gefällt.

    1) Tilo Jung schafft mit seinem Statement in dieser Form einen Präzedenzfall, der ihm mehr schaden als nutzen wird. Er schreibt, er wolle den „journalistische Ertrag“ von Jung&Naiv nicht durch Martin Lejeune „kompromittieren“, und stellt dabei auf den diskussionswürdigen Blogbeitrag zu den Hamas-Exekutionen vor ein paar Tagen ab. Daraus ergibt sich für mich die Frage, wann mit den Distanzierungen gegenüber Siedlerfanatikern, rassistischen Akademikern, Hamas- und IDF-Sprechern zu rechnen ist? Von Tilo’s Interviewpartner IDF-Sprecher Arye Shalicar ist ja zum Beispiel bekannt, dass er es mit der Wahrheit im Fall der drei entführten Siedlerjungs nicht so genau nahm: youtube.com/watch?v=lrRRtYB_hLw#t=225s …

    Ausgerechnet dieser Mensch, der obendrein auch Lejeune Dinge unterstellt, die dieser nie gesagt hat, spendet Tilo Jung nun bei Facebook Beifall dafür. Wird sich Jung jetzt von diesem (noch zu veröffentlichenden) Interview auch distanzieren, oder sollte der Zuschauer nicht besser von vornherein annehmen, dass er sich sowieso nicht mit dem gemein macht, was ein Interviewpartner bei ihm zum Besten gibt?
    Die Liste ließe sich bequem fortsetzen… gleiches müsste dann auch für das Gespräch mit Dan Schueftan gelten, bei dem sich jeder vernunftbegabte Mensch ob dessen rassistischer Bigotterie die Haare gerauft haben dürfte. Wo fängt Distanzierung an, und wo endet sie? Und wem nützt eine solche Distanzierung in diesem Falle?

    2) Beide Jung&Naiv-Interviews waren meines Erachtens ein sehr wichtiges Puzzlestück, um diese Interviewserie mit einem Eindruck aus Gaza abzurunden. Sie sind interessant, unaufgeregt, sachlich, detailliert und bei Vergleich mit anderen unabhängigen Quellen aus Gaza in vielen Punkten unstrittig. Sie zählen zu dem Besten, was Jung&Naiv je produziert haben. Dafür muss man nicht einmal die Views oder Likes bemühen, sondern sich nur noch einmal die Brisanz des Gesagten verdeutlichen. Lejeune’s Berichte von den Zerstörungen und Massakern sind wichtig und relevant (Lejeune wird voraussichtlich auch als Zeuge bei der Untersuchung von Kriegsverbrechen der israelischen Seite gehört werden), auch angesichts der Tatsache, dass während der israelischen Bodenoffensive viele deutsche Mainstreammedien im Gegensatz zu internationalen Medien nicht oder nur sehr spärlich berichtet haben.
    Schon allein deshalb sollten die Interviews getrennt von diesem einzelnen fragwürdigen Blogbeitrag betrachtet werden. Er stellt nicht gleich alles, was Martin Lejeune zum Thema Gaza lässt und tut, in Frage.

    3) Andere Kommentatoren haben zu Recht darauf hingewiesen, dass Martin Lejeune zunächst die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, zu Form und Inhalt seines umstrittenen Blogbeitrages Stellung zu beziehen. Ich hatte ihn auch in mehreren E-Mails darum gebeten, dieses zügig klarzustellen. Er hat mir gegenüber verdeutlicht, dass er sich die Aussagen in diesem Hamas-Brief NICHT zu eigen mache. Ich hatte das ob des fehlenden Konjunktivs allerdings so gelesen, und ihn offenbar missverstanden. Er habe den Text hastig geschrieben, und müsse ihn überarbeiten. Einige Korrekturen in dem Text sind daraufhin erfolgt. Eine deutliche Klarstellung zu diesen grammatikalischen Verwirrungen habe ich bislang aber weder in seinem Blog, noch in sozialen Medien gefunden.

    • Hans Hütt Antworten

      Ich halte es für abwegig, in der besonderen Situation, der sich Tilo bei Lejeune gegenüber sieht, von einem Präzedenzfall zu reden. Das Bild einer durchgetakteten aufgeräumten widerspruchsfreien Ordnung ist medial lebensfremd. Es wirkt eher kurios, vielleicht auch etwas zwanghaft und erinnert mich in seiner Logik an das Vorbild Moskauer Prozesse in den 30er Jahren.

  26. christine rölke-sommer aka rahab Antworten

    jung&naiv klingt nett, aber und in anbetracht dessen, dass altern nicht aufzuhalten ist, bleibt die frage: wie naiv darf man bleiben?
    ich habe jetzt einige interviews gehört – gerade das mit Benny Ziffer – und verstehe nicht, wie mann es fertigbringt, von solch intelligenten gesprächspartnerinnen nichts zu lernen sondern stattdessen im umgang mit Martin Lejeune die denke eines z.b. Dan Schueftan zu reproduzieren.
    kollaborateure gefährden tatsächlich andere menschen, und zwar an leib+leben. mann denke nur an den versuch der „gezielten Hinrichtung“ von Mohammed Deif. wenn ich es richtig erinnere, hat dieser versuch (mindestens) zwölf menschen, die allesamt nicht Mohammed Deif waren, das leben gekostet. und warum? weil sie mehr oder weniger zufällig im haus waren.
    in der situation ist die auflösung des ethischen dilemmas, gegen todesstrafe zu sein aber selbst nicht mehr oder weniger zufällig beiladung einer hinrichtung werden zu wollen, nicht so einfach. oder?

  27. Sabine Antworten

    Geschichte eines Lernprozesses bei Cicero, Petra Sorge: Wie ich auf einen Hamas-Versteher hereinfiel
    http://www.cicero.de/berliner-republik/entschuldigung-wie-ich-auf-einen-journalisten-hereinfiel-der-hamas-hinrichtungen

    • christine rölke-sommer aka rahab Antworten

      nu ja. die gute hat auch ein bißchen schnell aus großer räumlicher entfernung aus der hüfte geschossen.
      ich kann mich gut erinnern, dass ich, wenn mal wieder ein päckchen/paket in die luft geflogen war, für deren hinterleger auch nicht gerade freundliche gefühle hegte. aber macht mich das zur ‚zionisten-versteherin‘?

  28. Karl Grüner Antworten

    Lieber Herr Jung.

    Ich finde es eherenwert, dass Sie den Fehler einräumen.

    Aber, wie schon von Vorrednern hier geschrieben, die Konklusio verschweigen Sie: Sie sind mit dem Format an Ihre Grenzen gestoßen. Dieser Konflikt ist überkomplex. Dass Sie den Naiven nur spielen, glaube ich Ihnen. Auch Ihre Fragen benötigen ja oft Hintergrundwissen, die Gesprächsführung Intelligenz. Nur haben Sie sich anscheinend auf den Nahostkonflikt nicht ausgiebig genug vorbereitet.

    Die Rechercheaufgabe in Sachen Martin Léjeune: Sie fehlt. Es war bestimmt verlockend, jemanden wie ihn zu bekommen. Noch relativ unbekannt, durch das angebliche Alleinstellungsmerkmal interessant und authentisch, als scheinbarer Journalist in der Lage, die Dinge einzuordnen (genau das ist ja der Stein des Anstoßes: Ein IDF-Sprecher wird dafür bezahlt, einseitig zu berichten, manches auch wegzulassen; genauso, wie ein Hamas-Sprecher) PLUS (FERNSEHEN!) optisch prägnant – das hat Sie anscheinend dermaßen gereizt, dass Sie auf journalistische Sorgfalt verzichtet haben.

    Sie haben sich blenden lassen. Von Léjeune, vom eigenen Erfolg, von der vermeintlichen PR, die Ihnen dieses Gespräch verhieß. Lange gnug haben Sie ja stolz getrommelt, wie viele Leute sich das Interview schon angesehen haben.

    Da aber hätten Sie schon wissen müssen, dass Léjeune nicht das ist, was er vorgibt. So spricht kein Journalist. Und bei aller Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen / Massenmedien: Da sitzen keine bornierten Beamten. Auch, aber nicht in der Überzahl. Das hat schon seine Gründe, warum er dort nicht untergekommen ist.

    Das hätte Sie nach dem Interview, VOR seiner Veröffentlichung, ebenso zur Recherche antreiben müssen. Dass das offenbar nicht passiert ist, sagt mir: Die Borniertheit, von der Borniertheit der anderen auszugehen, hat Sie auch erwischt. Das ist das Problem, wenn man sich selbst als Marke etablieren will. Was Sie bisher gut getan haben, bevor Sie über’s Ziel hinausgeschossen sind.

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie unbeschädigt da raus kommen.

    Alles Gute
    Karl Grüner

    P.S. Auch Petra Sorge von cicero.de distanziert, ja, entschuldigt sich dafür, sich auf Léjeune berufen, ihn sogar verteidigt zu haben. Unter anderem mit dem Satz: „Ich kenne Israel und den Gaza-Streifen nur aus der Zeitung.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

  29. Roland Thele Antworten

    @ Hans Hütt

    „Ich halte es für abwegig, in der besonderen Situation, der sich Tilo bei Lejeune gegenüber sieht, von einem Präzedenzfall zu reden.“

    Was ist deiner Meinung nach die besondere Situation im Falle Lejeunes?

    Er hat in dem ersten Interview mit Tilo Jung eine sachliche Beschreibung der derzeitigen Lebenssituation in Gaza geliefert, die nach Faktenlage nicht vollständig akkurat, aber doch ziemlich akkurat war.
    Das ist eine journalistische Leistung, und unterscheidet ihn, sagen wir mal von einem Akademiker, der in einem anderen Interview mit Tilo Jung Joan Peters-Fantasien (Autorin ‚From Time Immemorial‘ -> „A land without a people for a people without a land.“) äussert, oder auch von dem Auftritt eines Sprecher der einen oder anderen Seite.

    Eine Distanzierung von fragwürdigen Blogbeiträgen macht Sinn, die Sonderbehandlung Lejeune’s in Bezug auf diese Interviewserie aber ist ungerechtfertigt. Ein Fass ohne Boden.

    • Hans Hütt Antworten

      Die seltsame Argumentation wird auch dadurch nicht besser, dass für die Distanz zu Martin Lejeune nun auch noch der so gar nicht passende Begriff der Sonderbehandlung herangezogen wird. Einigen wir uns darüber, dass der Dissens in dieser Sache ganz offenkundig nicht überbrückbar ist. Deine Idee von Präzedenzen und damit verbundenen logischen Konsistenzen führt in die Irre. Belassen wir es dabei. Diese Diskussion führt nicht weiter.

      • seTom Antworten

        “Ich halte es für abwegig, in der besonderen Situation, der sich Tilo bei Lejeune gegenüber sieht, von einem Präzedenzfall zu reden.”

        „Deine Idee von Präzedenzen und damit verbundenen logischen Konsistenzen führt in die Irre.“

        Aus meiner Sicht beschreibt Karl Grüner die besondere Situation ganz treffend, in dem er sagt, Tilo Jung habe sich blenden lassen, von Léjeune, dem eigenen Erfolg und der vermeintlichen PR. Ich beziehe das vor allem auf jene Tweets, in denen Tilo Jung von verschiedenen Seiten Stellungsnahmen zu Léjeune fordert und damit die Distanz aufhebt.

        Ohne dieses Puzzlestück ist die Distanzierung schwer zu verstehen. Ich glaube es ist ein Fehler, dass Tilo Jung diese besondere Situation vor allem dadurch charakterisiert, dass ihm in jüngster Zeit Vorwürfe gemacht würden, ohne diese zu beschreiben und sich mit diesen auseinaderzusetzen.

        Als weiterer Gedanke zu Hans Hütt:
        „Das Bild einer durchgetakteten aufgeräumten widerspruchsfreien Ordnung ist medial lebensfremd.“
        Ganz genau! Umso mehr sollte ein solcher Gastbeitrag seinen Gegenstand ausreichend beschreiben, um überhaupt diskutierbar zu sein.
        Ich gehe davon aus, J&N sieht sich in einem Lernprozess, wenn Tilo Jung als Sprachrohr an diesem Prozess teilhaben lassen will, sollte er das wiederholen worauf er antwortet.

      • Roland Thele Antworten

        @ Hans Hütt

        Du hast mir immer noch nicht meine Frage beantwortet, was hier die „besondere Situation“ im Falle Martin Lejeune’s ist.
        Das ist DEINE Wortwahl Hans.
        Besondere Situationen erfordern unter Umständen besondere Handlungen.
        Auch du begründest nicht, was an meiner Argumentation „seltsam“ ist, und warum hier deiner Meinung nach keine Präzedenz vorliegt. Reichlich defensiv.

        • Hans Hütt Antworten

          Ich halte die Frage für irrelevant bzw. durch Tilos Gastbeitrag hinreichend beantwortet. Dass Du das anders siehst, ist mir egal.

          • Roland Thele

            Das unterstreicht natürlich den Eindruck, dass du der Frage ausweichst, weil du sie nicht schlüssig beantworten kannst. Damit ist dein Herummäkeln an meinen Termini auch irgendwie zahnlos.

    • christine rölke-sommer aka rahab Antworten

      ich versuche mal eine deutung, was mit der „besonderen situation“ gemeint sein könnte.
      M.L. hat – ich habe ihn im persönlichen gespräch danach gefragt – diesen blogeintrag aus dem unmittelbaren schrecken heraus geschrieben, dass es der nette nachbar von 5o meter weiter sein könnte, der dazu beiträgt, dass ihm eine GBU28 auf dach+kopf fällt. der schrecken, den er vorher noch Israel nennen konnte, ist damit namenlos geworden, und die hinrichtung von menschen wegen kollaboration als anonyme+gesichtslose hat diesen namenlosen schrecken noch verstärkt.
      T.J. geht es in Israel im grunde nicht anders, auch er befindet sich in der situation, dass ihm jederzeit was auf dach+kopf fallen kann. und wie M.L. kann auch er nicht sagen, wer dazu beiträgt, dass dies geschieht.
      aber wie M.L. auch muß er irgendetwas tun, um diesen namenlosen schrecken auszuhalten.
      und nun passiert etwas merkwürdiges: indem M.L. vom einverständnis der menschen in ‚Asa mit den hinrichtungen berichtet, fühlt T.J. sich gezwungen, ebenfalls sein einverständnis zu erklären. aber: im zweifel wäre dies sein einverständnis damit, dass M.L. exekutiert wird.
      das ist ihm unerträglich – und deshalb kann er nicht sagen ‚moment mal, ist das denn so alles richtig?‘ sondern er muß sich von M.L. distanzieren und ihn gleichzeitig dem (zu exekutierenden) feind einverleiben.
      wie man sieht, geht es nicht nur T.J. so, sondern vielen anderen auch, besonders solchen von der schreibenden zunft.
      ich denke, diese reaktion resultiert daraus, dass viele nicht wissen, wie sie anders ihre handlungsfähigkeit erhalten/wiederherstellen könnten.

    • Jakob Müller Antworten

      @ Roland Thele

      Das Besondere der Situation wird im Beitrag durch drei Punkte charakterisiert:
      1. Irgendwer hat Tilo irgendwas vorgeworfen.
      2. Der Gast hat eine unwahre Interview-Aussage getätigt.
      3. Der Gast hat unabhängig von dem Interview etwas Furchtbares geschrieben, welches ihn für Tilo diskreditiert hat.

      Die Leserschaft von Tilos Beitrag scheint sich grob in zwei Gruppen zu teilen:
      Für diejenigen, die beim Lesen von Lejeunes Blogposts das gleiche wie Tilo empfinden, macht das Ganze Sinn.
      Für diejenigen, die es so sehen, wie Lejeune es selbst verteidigt hat, nämlich als Paraphrasierung eines Hamas-Pamphlets, macht das Ganze aber keinen Sinn, denn das ist dann purer Journalismus.

      Das Problem von Lejeunes Blog ist die schlampige, sehr unklare Ausführung, die zwei so unterschiedliche Interpretationen überhaupt zulässt.

      Das Problem von Tilos Beitrag ist, dass er diese Unklarheit nicht sieht und jenen Lesern, denen der Blogpost nicht als automatische Diskreditierung Lejeunes gereicht, anonsten nichts an nachvollziehbarer Erklärung liefert (s.o. 1. u. 2.).

      Kann niemand arabisch? Der Zettel mit dem tatsächlichen Hamastext ist doch abgelichtet, man könnte leicht feststellen, wo es Unterschiede gibt. Das sollte man noch tun, bevor man den Scheiterhaufen anzündet.

      • Roland Thele Antworten

        @ Jakob Müller

        Deine Zusammenfassung klingt ganz vernünftig. Nur finde ich es ein bißchen seltsam, sich bei einem Interviewpartner eine Aussage, die sich im Nachhinein als unwahr erweist, herauszupicken (Punkt 2), da in J&N-Interviews einfach in schöner Regelmäßigkeit von Interviewgästen Unwahres behauptet wird. Jetzt kann man sagen, dass Lejeune Journalist ist, und für ihn, im Gegensatz zu einem gedungenen Lügner, wie IDF-Sprecher Shalicar, andere Maßstäbe gelten sollten, aber als Distanzierungsgrund kann es wohl nicht herhalten.

        Anders sieht es mit dem Blogpost zu den Exekutionen aus, der in dieser Form kein gutes Licht auf Martin Lejeune wirft. Jung sagt hier aber gar nicht weiter, was er eigentlich mit „mehrere Beiträge“ meint.
        Und er thematisiert auch nicht, dass er vor Veröffentlichung dieses Beitrages hier eine Mail von Lejeune im Posteingang hatte, in der Lejeune auf

        meine Frage:
        „kann es sein, dass du keinen Konjunktiv verwendet hast, um Aussagen aus diesem Hamas-Brief auch als solche kenntlich zu machen? Oder sind das deine eigenen Worte? Ich frage so dumm, weil der Leser letzteren Eindruck nämlich haben kann, auch wenn du mit „In dem Brief heißt es…“ einleitest. Sollte ich hier möglicherweise Aussagen von Hamas dir zugerechnet haben, dann tut es mir leid. Dann hättest du aber grammatikalisch echt geschlampt. Stelle das bloß richtig, und finde auch eine kritische Distanz zu diesem Vorgang.“

        antwortet:
        „ja so ist es. das muss ich überarbeiten. den text habe ich hastig geschrieben, da ich am freitag von gaza nach berlin gereist bin als das passierte.“

        Die Fairness würde es meiner Ansicht nach gebieten, dieses zu erwähnen. Distanzieren kann man sich ja trotzdem. Aber Fairness ist längst vorbei, wenn du guckst, wie die Meute auf Lejeune einhackt und ihm alle möglichen Dinge an den Kopf wirft. „Hamas-Versteher“ usw. …

        • Jakob Müller Antworten

          Der Shitstorm begann (glaub ich) mit Pascal Beuckers Facebook-Beitrag, der komplett sinnentstellend zitierte. Dann reagierte Tilo mit seiner Distanzierung, deren Schwächen hier schon ausreichend diskutiert wurden und zuletzt sahen wir Petra Sorge mit der Mrs.-Matti-Friedman-Entschuldigung.
          Es ist schon sehr ironisch, welch niedriges journalistisches Niveau die Angriffe auf Lejeune haben, wo sie doch gerade auf die Delegitimierung seines Status‘ als „Journalist“ abzielen.
          Da du für Tilo schon im Vorhinein seine Recherchehausaufgabe gemacht hast, weiß ich nicht wie er diesen Fakt ignorieren konnte. Auch andere wiesen schon vorher darauf hin, dass Lejeune womöglich nur den Brief paraphrasiert. Leider sind weitere Nachfragen Ausdruck von Selbstgerechtigkeit und mit Logik kommt man auch nicht weiter, denn durch ihre Anwendung outet man sich als irregeleiteter zwanghafter Politkommissar.

  30. Maximilian Oepen Antworten

    Tilo Jung und Martin Lejeune sind beide deutsch, von der selben Generation, im selben Metier des Journalismus, und bedienen sich beide des Internets in seinen freien neuen Formen für ihr Angebot.

    Die Parallelen bestehen also im Voraus und verlassen deshalb dazu, wenngleich vielleicht nur unterbewusst, eine Art parteiische Verbundenheit zu empfinden. Alleine von der Substanz her hätte Tilo Jung Grund, sich von anderen Gästen zu distanzieren, wie zum Beispiel von Max Blumenthal. Aber bei solchen Gästen ist die Distanz automatisch geschaffen: durch den Generationskonflikt, durch die Fremdsprache, durch die klare politische Zugehörigkeit des Gastes, inklusive beleidigender Aussagen über Deutsche und Europäer.

    Ich kann also Tilos Impuls nachvollziehen, im Falle Lejeune eine ebenfalls klare Linie zwischen Reporter und Gast ziehen zu wollen, auch wenn dieses von vielen als zu durchgreifend empfunden wird.

  31. zut Antworten

    Da muss ich erst die Tweets zwischen @Assowaum, @TiloJung und @MEtzold lesen, um die hier verfasste Distanzierung in ihrem Kontext zu verstehen:

    Tilo selbst zu @Assowaum:

    „@Assowaum nochmal: ich habe einen Gast falsch promoted. um den Inhalt der Folgen geht’s überhaupt nicht.“

    Schade Tilo, dass du in einer Distanzierung oder nachträglich hier im Kommentar nicht für die klärende Antwort gesorgt hast. Für mich ist die Sache aber jetzt geklärt und die Distanzierung verständlich.

    Mein Fazit mit dieser Distanzierung ist im doppelten Sinne: „Distanzierung als Lernprozess“.

  32. Benjamin Meyfeldt Antworten

    Hi Tilo. Ich hatte echt gehofft, dass ich in den Krautreportern wenigstens eine Aussicht auf unabhängigen Journalismus finde, den wir im Westen soo dringend brauchen. Aber scheinbar lassen dies die Strukturen nicht zu, wenn man unter anderem viel Geld von Augstein annimmt. Wie geht das genau, dass man einen Typen mit soviel Rückgrat wie Dich, derart „auf links dreht“? Erzähl mal, dass ist wirklich spannend und scheinbar auch eines der Hauptprobleme unserer Zeit!

  33. Karl Grüner Antworten

    die Tweets von Roland Thele alias assowaum habe ich mir auch gerade angeschaut. Auch die, die über die oben zitierten hinausgehen. Er scheidet für mich als Diskussionsteilnehmer aus. Persönliche Angriffe (vor allem, aber nicht nur gegenüber Frauen) auf dem Niveau eines Schulkindes. Da stimmt was nicht. Eine kleine Auswahl.

    Roland Thele ‏@Assowaum
    Gott, du bist so unglaublich dumm, @isabelledaniel – wirklich. Melde doch bitte endlich deinen Account ab. /@TiloJung

    Roland Thele @Assowaum · 17 Std.
    .@petrasorge Den Arsch in d Hose, deine eigene schlampige Recherche in Bez.a. Friedman zuzugeben, haste auch nicht. Korrektur nicht vermerkt

    Roland Thele @Assowaum · 21 Std.
    .@MEtzold Ich habe jetzt genug von deinen Armleuchterkommentaren, Marc.

    Roland Thele @Assowaum · 25. Aug.
    .@isabelledaniel Gibt’s jetzt übrigens auch mit deutschen Untertiteln. Kannst du also auch mal gucken, die Folge. /@nicolediekmann

    • Roland Thele Antworten

      @ Karl Grüner

      Wenn sich meine Tweets auf Verbalinjurien beschränken würden, könnte ich dich ja noch verstehen. Nur leider ist dem nicht so. Sie sind nie a-n-l-a-s-s-l-o-s, und nie unbegründet.

      Petra Sorge zum Beispiel stellt fest, sie sei im Falle Lejeunes ihren eigenen Maßstäben journalistischen Sorgfalt (Quellenprüfung etc. pp) nicht gerecht
      geworden, um dann den Autor eines ihrer Meinung nach „beeindruckenden“ Textes fälschlicherweise als Autorin zu bezeichnen. Ich nenne das peinlich. Vor allem, wenn man dann die Korrektur unter dem Blogbeitrag nicht einmal vermerkt. Erneut fehlende journalistische Sorgfalt.
      Mal ganz davon ab, dass die von Sorge zitierte Textpassage zum Olmert-Friedensvorschlag auch jedem, der weiß was die Palestine Papers sind, sofort als nicht-beeindruckend, sondern vielmehr ziemlich schlecht ins Auge fällt.

  34. Karl Grüner Antworten

    Inhaltlich sind Sie stark. Darauf habe ich aber nicht Bezug genommen. Ihr Benehmen lässt Ihre Informiertheit, Eloquenz und Argumentationsstärke vergessen.

    • Roland Thele Antworten

      @ Karl Grüner

      Zum Emoprog fehlt mir halt nur ein witziges Pseudonym, und der Witz.

      • Hans Hütt Antworten

        Nein Roland, dazu fehlt Dir alles. Du wärst ein wunderbarer Politkommissar, wie aus den 30er Jahren über uns gekommen, mit einer völlig unreflektierten Selbstgerechtigkeit. Verschone mich mit weiteren Kommentaren. Es ist zwecklos.

  35. Nassar Antworten

    Feigheit und Journalismus gehören zusammen, wenn man als Journalist im Nahen Osten arbeiten will, so habe ich die meisten deutschen Journalisten erlebt, mit denen ich gearbeitet oder beobachtet habe, das kann ich sehr gut beurteilen als einer der 10 Jahre lang als producer für die ARD in Tel Aviv gearbeitet hatte. Die meisten deutschen Journalisten wissen ganz genau, dass sie nicht neutral berichten können bzw dürfen, wenn es um Israels Politik geht, das ist die absolute Wahrheit, die jeder deutsche Bürger wissen soll, als deutscher Politiker und Journalist kann man bzw darf man Israel nur sehr begrebtzt kritisieren ansonsten wird seine Karriere auf dem Spiel sein und hier an dieser Stelle genau fängt man sich als Feige in seinem Beruf zu verhalten. Zwei deutsche Journalisten Jürgen Todenhöfer und Martin Lejeune sowie ein deutscher Politiker Jürgen Möllemann sind für mich die ersten und wahrscheinlich die einzigen Deutsche, die sich von Feigheit in ihrem Beruf distanziert haben deshalb werden sie ständig kritisiert oder bedroht, jeder von denen musste dafür den Preis bezahlen.
    Sie konnten sich wie alle anderen Berufskollegen den einfacheren Weg nehmen, nähmlich in Feigheit zu leben und sich damit eine bestimmt viel bessere Karriere zu schaffen. Ich weiss, dass es vielen Journalisten und Politikern in Deutschland gibt, denen meine Worte nicht gefallen werden aber das ist nun die absolute Wahrheit, die ich im Laufe meiner zehnjährigen Arbeit gesehen habe und das ist das erste Mal, dass ich mich mit diesem Thema befasse, weil ich auch einfach nicht mehr feige leben möchte. Zum Schluß möchte ich ein paar Fragen stellen:
    Wie können die Journalisten der ARD und ZDF (beide sind staatliche öffentliche Radio und Fernsehsender und von deutschen Steuern finanziert werden) neutral berichten, wenn sie alle in ihren Studios in Tel Aviv sitzen? Warum wird nicht in Ramallah auch ein Studio geöffnet? Und es wird bestimmt den deutschen Steuernzahlern viel weniger kosten als das teure Tel Aviv.
    Wie kann es neutral berichtet werden, wenn das ARD Studio in Tel Aviv einen einzigen arabischen Producer beschäftigt während alle anderen etwa 40 Mitarbeiter Israelis sind?
    Wie kann es neutral berichtet werden, wenn das ZDF Studio in Tel Aviv gar keine arabische Mitarbeiter beschäftigt während alle anderen Israelis sind?
    Wie kann es neutral berichtet werden, wenn man sich das Kriegsgebiet nicht selber anschaut und erlebt?
    Warum wird so wenig von israelischer Besatzung, Menschenrechtsverletzung und vom Leid der Palästinenser berichtet?
    Warum wird oft und als erstes die israelische Raktion auf jede Entwicklung im Nahen Osten berichtet während die palästinensische Reaktion an Gewicht verliert oder gar nicht betrachtet?
    So viele Fragen habe ich aber ich möchte Ihnen einfach sagen, dass das ARD und ZDF die besten israelischen Fernsehsender aller Zeiten sind, so ist mein Eindruck als Producer der ARD.

    • Markus rosch Antworten

      In diesem Artikel ist fast alles falsch. Die ARD hat in Israel keine 40 Mitarbeiter. Und eine wesentlichen hoeheren Anteil an arabischen Kraefte. Und: Wir waren vor Ort, in Gaza, natuerlich. Ich alleine viermal, auch mehrere Tage. Wenn man Behauptungen aufstellt, sollte recherchiert werden. Und gerne auch bei uns angerufen werden…. Beste Gruesse
      Markus Rosch, ARD Nahostkorrespondent

  36. Nicole Antworten

    Wundre mich auch, woher die Idee stammt, das ZDF-Studio hier hätte keine arabischen Mitarbeiter. Aber Recherche scheint ja eh aus der Mode gekommen.

    Gruß
    Nicole Diekmann, ZDF-Korrespondentin, derzeit Tel Aviv

    • Hans Hütt Antworten

      Liebe Nicole Diekmann, danke für den Hinweis. Zweifelhafte Kommentare zeichnen sich besonders durch starke Meinungen aus. Davon gab es hier in den letzten Tagen mehr als genug. Inzwischen drücken einige nur noch auf die Wiederholungstaste. Ich werde die Kommentarfunktion für diesen Beitrag morgen beenden.

  37. Hans Hütt Antworten

    Tilo Jung ist mit „Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte“ in der Kategorie Information für den Deutschen Fernsehpreis 2014 nominiert. Als sein Redakteur bin auch ich ein bisschen stolz.

  38. Hans Hütt Antworten

    Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist seit dem 30. August geschlossen.

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