© Gerard van Smirren

Schule der Empfindsamkeit: Über meine Twitter-Praxis

Gestern Abend hatte im Roten Salon der Berliner Volksbühne ein E-Book Premiere: Über 140 Zeichen. Autoren geben Einblick in ihre Twitterwerkstatt, herausgegeben von Stephan Porombka beim Frohmann-Verlag. In dem Band steht auch der folgende Essay von mir. Gestern Abend kehrte ich nach langer Abstinenz auf die Bühne zurück und sprach mit dem Twitter-Popstar @NeinQuarterly (Eric Jarosinski). Es gibt davon eine Videoaufnahme, die ich eventuell noch poste.

Lange Zeit bin ich nicht früh schlafen gegangen. Ich verbrachte viel Zeit in entlegenen Nischen des Netzes und ignorierte die Welt des „Kurznachrichtendienstes“ Twitter fast gänzlich. Wie mein Archiv festhält, betrat ich Twitter erst im Mai 2010 und bewegte mich fast zwei Jahre darin wie eine Monade, die unberührt davon, was um sie herum geschieht, link für link absonderte, um so vergeblich an der Idee eines Nachlebens zu arbeiten. Tatsächlich arbeitete ich am augenblicklichen Vergessenwerden. Auch das hatte seine Gründe. Ich befand mich in einer Zwischenwelt, erst zwei Jahre als Haus- und Hundehüter am Rand der Cevennen, sodann fast ein Jahr für die Pflege meiner Mutter am Niederrhein. Das Netz verband mich in dieser Zeit nur durch zarteste Reste von Luftwurzeln mit meinen peer groups. Ich war der Welt tatsächlich abhanden gekommen. Mein Kommunikationsverhalten reproduzierte diese Lage mimetisch.

Erst im März 2012 änderte sich das. Ein halbes Jahr vorher war ich zurück nach Berlin gekommen. Die Fellows, an die ich meine Wohnung untervermietet hatte, waren wieder in St. Louis, in Cincinnati und in Anaheim. Langsam akklimatisierte ich mich in einer anderen neuen Welt. Ein spätes, gut verstecktes Debut als Autor ließ lange Jahre des stillen Brütens endlich hinter mir. Die Syntax wurde freier. Nicht die vertikale Vernunft des Wichtigen, Nachrichtenlage, Bitternis, unerbittliche Kritik zählten mehr. Eine Horizontale weitete den Blick, nährte die Neugier auf nicht standardisierte Texte und Haltungen. Die Timeline belebte sich, wurde internationaler. Der Durchfluss verteilte sich ausgeglichen auf Tag und Nacht. Jetzt begann erst das Spiel.

Die beiden Monate mit den meisten Tweets waren der Juli 2012 (860 Tweets) und der Juli 2013 (1.222 Tweets) – was am Bachmann-Preis, den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt lag. Über den Chat von Angela Leinen und Kathrin Passig begleitete ich #tddl und erlebte das simultane Hören, Lesen, Kritisieren, die Kritik der Kritik und die Resonanz der Mitdiskutierenden als Eintritt in eine klarsichtige Fieberwelt. Warum gibt es das nicht jeden Tag? Die Frage illustriert die Lage: Mir reichte es nicht mehr, den Strom an mir vorüber ziehen zu sehen. Ich begann als kleine Stromschnelle im Urstromtal von Twitter eine eigene Rolle zu erproben, hier ein bisschen Tempo zu machen, da etwas zu verzögern.

Das sind keine historischen Zäsuren. Das tägliche Erproben bringt indes etwas in den Blick, das in den traditionell organisierten Medienbetrieben eher als Störung empfunden würde und augenblicklich ausgegrenzt werden müsste, weil die Distributeure der News das Neue nicht aushalten: in gelingenden Augenblicken verwandelst Du Dich in einen surrealistischen Echtzeit-Kurator.

Da steht er in der Brandung des Indischen Ozeans und dirigiert die Wellen – bis ihn sein Wirt nach Hause zog? Nein, genau so ist es nicht. Eine gut sortierte Timeline verwandelt sich unter dem eigenen Zugriff in ein surrealistisches Labor, in dem @RenateBergmann als Fahrrad und @NeinQuarterly als Schreibmaschine auf deinem Seziertisch landen. Das Zusammentreffen mag beiläufig, zufällig oder auch nichtssagend wirken. Was du daraus machst, ändert den Lauf der Dinge.

Du erprobst den fliegenden Wechsel zwischen Welten, Kategorien, Ressorts, Erfahrung. Du erzeugst eine Resonanz und verwandelst die eigene Timeline in einen Resonanzkörper für neu konfigurierten Sinn. Du operierst in einem Echtzeitversuch. (Zwischenbemerkung, hier im Blog: Die Figur des Resonanzkörpers wird für meine Arbeit immer wichtiger. Ich glaube, dass ich mit ihr einen Begriff für die Diskussion über Außenseiter in Nachfolge von Hans Mayers Essay gefunden habe, der die neuesten Entwicklungen, namentlich nach den neuen Büchern von Thilo Sarrazin und Akif Pirinçci, aus der Falle der üblichen Skandalisierung herausholt.)

Meine Versuchsanordnung ergibt sich aus der Frage: What´s next? Sodann liegt es in der Hand des Kurators, wie er interveniert: was er retweetet, favorisiert, kommentiert, variiert, was er zusammen bringt oder von einander trennt. Es ist ein Spiel frei schwebender Aufmerksamkeit, die die eigenen Übertragungswiderstände ebenso wie die mutmaßlichen Affekte bei den Mitspielern wahrnimmt – und keinen Stillstand zulässt. Denn Tweets ist bekanntlich die Bewegung auf das Nächste eingeschrieben (Stephan Porombka). Die Figur der Nostalgie mag auch in Tweets als Sujet eine Rolle spielen. Dem Wesen nach aber sind Tweets eine Textform, die auf die nächste (oder fernste) Zukunft abonniert ist. (Ich begehe den Regelbruch, Tweets auch zu analysieren. Ur-Twitterer lehnen das entschieden ab.)

In gelingenden Augenblicken entsteht aus deiner Versuchsanordnung die nächste Literatur. Die Instrumente dafür stehen bereit (School for Poetic Computation 2013). Ein Algorithmus reaggregiert in 53 Tweets die Bohemian Rhapsody der Queens. Ein anderer durchforstet Twitter unentwegt nach pentametrischen Tweets und rearrangiert seine Fundstücke durch Retweets zu Sonetten:

I’m going swimming after school #hooray
I wanna hear a special song today 🙂 !
Last project presentation of the year!!!!
Miami Sunset DriveA. normal clear 🙂

Good music always helps the morning squat!!!!
McDonalds breAkfast always hit the spot
do you remember ? that october night ..
Alright alright alright alright alright

I taught y’all bitches half the shit y’all know.
Why pablo hating on Hondurans though ?
I wonder who the Broncos gonna pick?
I gotta get myself a swagger stick

By Changing Nothing, Nothing changes. #Right?
Why everybody eagle fans tonight

 

Teju Cole animierte seine Follower zu einer – verteilt – erzählten short story. Zuvor hat er in dem Projekt Small Fates Alltagsgeschichten aus Lagos via Twitter kuratiert. Zupackend auch sein Projekt Drone Strikes, mit denen Cole die Kriegsführung durch Drohnen auf bisher nicht erfasste undenkbare Ziele umlenkt:

I won’t tell Obama whether or not to drone London. But restraint must be shown: there are Titians in the National Gallery.

 

Die Beispiele illustrieren die Kraft gleichzeitig verteilten Zusammenfügens. Die globale Wertschöpfung (Textilien in Bangladesh, iPhones in China, Steuertricks auf den Caymans) ist kein Privileg vaterlandsloser Großkonzerne. Die nächste Literatur verschaltet die Oliver Twists aus Abuja und Libreville mit ihren Altersgenossen in SoHo und Berlin-Lichtenberg. Die Symphonie der nächsten Welt entsteht fast in Echtzeit auf allen Kontinenten gleichzeitig. Walter Ruttmann, Ernst Schnabel und Walter Kempowski sind mit ihren Filmen, Radiostücken und Tagebuchsammlungen Vorläufer und damit Wegbereiter für das elektronische Zusammenfügen, Kuratieren und Dichten.

Das Erzählen wird vielstimmiger, es erlebt eine Formenimplosion. Die Intervention eines alten Großmeisters wie Hans Magnus Enzensberger verfehlt in ihrer politischen Adressierung eines Gegners die ihm verborgen gebliebene Seite einer iterativ-computativ-literarischen Ökonomie des Teilens, die kulturelle Gemeingüter hervorbringt.

Eine Exkursion zu Renate Bergmann und NeinQuarterly

An dem Nachmittag, an dem ich diesen Essay schreibe, warte ich auf neue Tweets von @RenateBergmann und @NeinQuarterly. Ich betrachte sie für die Zwecke meiner Übung als zwei Pole des Überlebens in meiner Timeline. Der erste Tweet wirkt auf den ersten Blick wie die Haltung eines Hagestolzes: @NeinQuarterly twittert: „Please enjoy your Sunday. Not mine.“ Hören wir darin den Ton eines freundlichen Misanthropen? Das wäre zu voreilig. Eher eine freundliche, zugleich bestimmte Distinktion. Mischen Sie sich nicht ein. Können Sie sich vorstellen, wie mein Sonntag aussieht? WOLLEN SIE SICH DAS VORSTELLEN? Zarte Andeutung wunschlosen Unglücks schattiert die Kunstfigur. NeinQuarterly twittert scheinbar eine Haltung, tatsächlich deutet er an, was hinter dem Vorhang des Tweets über dem Sonntag seiner Figur brüten mag, rollenkongruent für seine Kunstfigur pointiert (als hätte Woody Allen ihn erfunden).

Renate Bergmann verbringt den Sonntagnachmittag bei Kranzler: „Ich war mit meinen Freundinnen vom Witwenclub im Kranzler Torte essen. Ich mit meinen vier Verstorbenen darf immer am Kopf der Tafel sitzen.“ Auch bei ihr, die wir als eine überaus komplexe, lebensnah inszenierte Kunstfigur wahrnehmen dürfen, sehen wir ein Kranzler-Torten gleich geschichtetes Gefühlsgebirge am Werke. Die vom Schicksal Geschlagene (meine vier Verstorbenen!) ist alles andere als gramgebeugt. Hören wir den Triumph der Überlebenden? Der Präsidentin des Witwenclubs? Oder ist ihr Tweet das Szenenbild einer lustigen Witwe, eine Tragikomödie in Pillenform? Die Miniatur bezieht ihre Kraft aus dem verbürgten Unglück und wendet es in einen komischen Triumph.

Das Glück braucht den Schatten des Unglücks wie einen zart angedeuteten schwarzen Fleck im Film. In die Routinen eines sonnigen Vorfrühlingssonntags blitzen Fragmente namenlosen Schreckens. Renate Bergmann, die lustige Rentnerin, und NeinQuarterly, der melancholische Misanthrop, sind einander erstaunlich ähnlich. Sie rekonfigurieren fragmentierte Gleichzeitigkeit. Je miniaturisierter sie daher kommen, desto präziser explodiert die in ihnen verborgene Minihaftladung.

Jetzt holt NeinQuarterly zu einem sonntäglichen Keulenschlag aus: „I’d like to think that God died an unbeliever.“ Die Figur dieses Tweets ist vertrackt. Weder denkt noch behauptet er, dass Gott als Ungläubiger gestorben sei. Er findet Gefallen an dem Gedanken. So scheint es. Die syntaktische Struktur des favorisierten Gedankens drängt den ungeheuerlichen Frevel, dass Gott gestorben sei, in den Hintergrund. Damit nicht genug, blitzt aus der Koketterie als Echo die trostlose Komik, was denn davon zu halten sei, wenn Gott als ein Gläubiger gestorben wäre. In weniger als 140 Zeichen spannt dieser Nano-Philosoph des Nichts einen Bogen von der negativen Theologie über Friedrich Nietzsche zu Jacques Derrida. (Parallel zur Miniaturisierung der nächsten Technologie könnten wir das Format der Kurznachricht als eine Option für geisteswissenschaftliche Miniaturen betrachten. Statt in die Prüfungsordnung Mindest- oder Höchstumfang (> 20 und <60 Seiten) reinzuschreiben, warte ich auf den Tag, an dem eine gelehrte Miniatur wie die oben zitierte Gegenstand eines Promotionsverfahrens werden könnte. E=mc², als inverse Äquivalenz von Masse und Energie).

NeinQuarterly und Renate Bergmann sind durch Twitter zu Popstars geworden. Beide bespielen das Format der „Kurznachricht“ in einer Virtuosität, die eine Vorahnung von den nächsten bei Twitter entstehenden Epen, Dramen und Komödien gibt. Den Flow, die Interaktion, das Weitertreiben von kristalliner Bosheit und Raffinesse lese ich als Versprechen. Die nächste Literatur stößt in neue Formen des Unterhaltens vor. Wer sich in diesen Jagdgründen allein mit dem Ziel tummelt, mehr oder weniger gedrechselte Aphorismen zu vertreiben, sollte sich dafür besser ein schön gebundenes Notizheft kaufen und Twitter tunlichst meiden. Das gleiche gilt für Witzemacher, die auf schnelle Pointen aus sind und wie trockengelegte Junkies wirken, die auf Methadon zugunsten von Sternchen verzichten. Twittern kann suchtähnliche Formen annehmen.

Zwitschern als Gebärden

Die Trauerfeier für Nelson Mandela wirkte auf mich wie ein Tweet in CinemaScope. Die Story mit dem falschen Gebärder enthält ein noch uneingelöstes Versprechen: Es deutet an, was Plan oder auch Zufall an neuen Formen des individuellen oder gemeinschaftlichen Twitterns hervorbringen. Der falsche Gebärder, der sich hinterher mit einem akuten schizophrenen Anfall dafür entschuldigte, mit Nichts sagenden Gebärden die Ansprachen gestikulierend begleitet zu haben, ist Vorbote für die nächste Stufe der simultanen Konstruktion und Dekonstruktion von Texten. Tatsächlich ist dem Gebärder etwas gelungen, was in der Welt der politischen Rhetorik bisher undenkbar erschienen ist: Er hat mehr oder weniger leeres Gerede in leeres Gebärdisch übersetzt. Zum ersten Mal wurden leeres Reden und leeres Gebärdisch kongruent.

Oliver Sacks erzählt in seinem Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ von einer live im Fernsehen übertragenen Rede Ronald Reagans. Mehr oder weniger aphasische Patienten hätten sich im Gruppenraum einer Klinik köstlich über die Rede amüsiert. Ihre Aphasie behinderte zwar ihr Sprachvermögen, machte sie aber sensibel für schräge oder falsche Tonfälle. Sie lasen Reagans Mimik und übertriebene Gesten, die falsche Satzmelodie wie eine große Heuchelei: „Auf solche (für sie) höchst offenkundige, ja groteske Widersinnigkeiten und Ungereimtheiten reagierten diese Patienten, die sich durch Worte nicht täuschen ließen, weil sie durch Worte nicht zu täuschen waren.“

Das Simultané der Twitter-Timeline gibt ein Versprechen des Sichversprechens. Politische Rhetorik, ernste Nachrichtenmacher, Selbstvermarkter mehr oder weniger wichtiger Mitteilungen müssen sich mit dem Risiko anfreunden, in Echtzeit dekonstruiert zu werden. Daraus können hybride Textfiguren entstehen, die jede Behauptung mit ihren eigenen Mitteln und Worten hintertreiben. TV-Satire kann mit dieser Feuerkraft kaum mithalten. Ihre Witzchen verpuffen im Kontrast zur Vitesse des spöttischen Zwitscherns. Denn Wissen und Haltungen entstehen und vergehen in Feuertaufen, in Rede und Gegenrede, im schnellen Wechsel der Argumente, in synästhetischen Blitzen, in kunstvollen Paradoxien.

Drei prominente Kronzeugen: @HerrVanBohm:Für mich ist Twitter, wenn alle durcheinander reden und sich trotzdem alle verstehen.

@Bajonettathene: Twitter ist Musik in meinen Augen.

@DerFloyd: Twitter ist die Plattform, auf der sich Misanthropen gegenseitig mit Herzchen bewerfen.

Aus der Höhle kommen

Ich komme zurück auf das Thema Sucht. Kathryn Schulz beschreibt das Phänomen eindrücklich.

„Twitter, oh Mann. Das Medium, das ich am meisten verspottete, das ich als letztes für mich entdeckte, das anfangs am schwersten zu verstehen war und so überaus dumm wirkte. Das aus der Ferne so einfach herabzusetzen war, weil es ihm an Nuancen, Substanz, Eleganz und Tiefe fehlte, das so auf Kriegsfuß mit meiner eigenen ellenlangen Prosa stand. Aber genau das, das ich heute anhimmele, dem ich verfallen bin, ist nun dabei, mich aufzufressen.“

 

Scharf weist sie die Kritik Jonathan Franzens an Twitter als ignorant zurück. Schulz liebt ihre Timeline, eine Mischung aus Buch-Nerds, Wissenschafts-Nerds, Journalisten, diese nicht kategorisierbare Mischung interessanter Leute, wie eine Traum-Gemeinschaft. Ihre Mischung verwandelt sie in die beste verlässliche Nachrichtenquelle: umfassend, tiefgründig, zeitnah, auch als Selbstkorrektiv – und nicht zuletzt unendlich großzügig dazu bereit, Wissen, Kreativität und Spott zu teilen.

Twittern hat eine eigene literarische Formensprache hervorgebracht. Warum sieht Franzen das nicht? Weil er die Verknappung und Zuspitzung unterschätzt? Kathryn Schulz kommt zurück auf die Höhle, den kalten, dunklen, einsamen Ort, an dem Literatur entsteht. Twitter dagegen sei ein warmer freundlicher jederzeit offener Raum, ein Gegengift gegen die Isolation (die Beschreibung ist mit Vorbehalt zu lesen, die Ironie Teil des Spiels). Das Verrückte daran sei, dass Twitter ein Problem zu lösen scheine, das besser nicht gelöst werden sollte. Schreiben heiße nun mal, in der Höhle auszuharren, Einsamkeit im Dunkeln, Leere, Enttäuschung, schlechte Sätze und Sackgassen auszuhalten, bis sich alles in Worte verwandelt.

Dass Twittern zu einer Sucht werden könnte, gehöre zu seiner DNA:

„In der Natur gibt es Parasiten, die sich im Nervensystem ihrer Wirte einnisten und sie – im Interesse des Parasiten – dazu veranlassen, gegen die eigenen Interessen zu handeln. Es gibt diesen Wurm euhaplorchis californiensis, der sich in Fischen einnistet und sie dazu treibt, an der Wasseroberfläche herumzuwackeln, bis ein Vogel sie fängt. Darauf hat es der Parasit abgesehen, auf einen Platz im Darm des Vogels.“ Twitter, sagt Schulz, sei auch so ein Parasit und habe ihr Gehirn gehackt.

 

Dieser Parasit hat Schulz und so viele andere auf erstaunliche Ideen gebracht. Welcher Vogel schnappt sich den an der Oberfläche zappelnden Fisch, das heißt: unseren nächsten Tweet, um etwas daraus zu machen, was in ihm angelegt sein könnte? Pluripotenter Sinn oder auch Unsinn, der im Flug aufgegriffen und metamorphisiert wird. Darauf warten wir – unentwegt und gespannt darauf, was der Parasit, was die Twitter-DNA als nächstes mit uns und unseren Tweets anstellt, indem sie uns aus der Höhle des einsamen Schreibens herausholt und in Animateure der nächsten Literatur verwandelt.