© Gerard van Smirren

Riecharbeit und kynische Telegraphie

Nun ist es bald wieder so weit, dass Hündin Lola die Rüden in einem weiten Radius um das Gleisdreieck in Aufregung versetzt. Auf dem Weg dorthin intensiviert sie nicht nur die eigene Riecharbeit, wie die Rutschkys es in dem Buch über den Stadthund erzählten, auch muss sie alle paar Meter in ihrem eigenen nasengebundenen Netzwerk flüssige Telegramme absetzen, die über ihren hormonellen Status Auskunft geben.

Noch hat ihre Läufigkeit nicht begonnen, aber bei ihren Freundinnen zeigt sich wachsende Aufmerksamkeit, die in den Wochen vor den Stehtagen zu einer hundelesbischen Tollerei in den Büschen führen wird, als freundschaftliche Einübung in das Geschehen, dessen Vollendung zu verhindern ich weiterhin entschlossen bleibe, auch wenn ich kurzzeitig mit der Idee gespielt hatte, Lola einmal Mutter werden zu lassen. Aber weder will ich das damit verbundene Risiko eingehen noch sie mit der Last von zahllosen Welpen im Bauch jeden Tag mehrmals im Treppenhaus 72 Stufen rauf- und runter laufen lassen.

Haben die Stehtage, meist dann im Januar, begonnen, benimmt Lola sich wie eine erdgebundene Flaggenmaatin. Erst stößt sie ein weithin vernehmbares Geheul aus, dann richtet sie die Rute senkrecht und gerade in die Höhe und schließlich senkt sie sie im rechten Winkel zur Seite und damit weiß jeder Rüde in einem Radius von mehreren hundert Metern, was da Tango ist.

Einmal musste ich, bei ihrer ersten Läufigkeit, einem Bergamescer Hütehund namens Tschilla (Friede seiner Seele!) in den Weg treten, was infolge seiner guten Erziehung nicht zu Angriffen auf meinen Leichtmatrosenleib führte, er ließ mich dicht hinter Lola stehen und umrannte uns heulend und lechzend, bis sein Hüter endlich kam und ihn an die Leine nahm. Hätte meine Wacht versagt, wären Riesenhunde gezeugt worden.

Jetzt aber, noch für einige Wochen, weht der kühle Herbstwind durch Lolas Rastalocken und erzeugt einen haarigen Wellengang, mal in diese, mal in jene Richtung, sie strotzt vor Vitalität, springt und rennt ihren Bällen hinterher und bezeugt eine Lebensfreude, für die sie auf der Welt ist. Möge dies uns noch lange so erhalten bleiben!

 

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