© Gerard van Smirren

»… des KÖHLERS tRaum«

Das Bild im Aufmacher verdanke ich dem Künstler Gerard van Smirren. Er nennt es eine Carbonografie. Dabei handelt es sich um die Makroaufnahme zufälliger Verläufe von Kohlenstoffpigmenten in einer Petrischale.

Der Nachrichtengehalt der Carbonografie bleibt unentscheidbar. Sie bildet nichts ab. Sie teilt nichts mit. Der Verlauf der Pigmente und ihre Makroaufnahme verdanken sich möglich gewordenen Zufällen. Sie sind anlasslos. Ihre fotografische Fixierung erzeugt ein Bild, das wir nie zu sehen bekommen hätten, jedenfalls nicht mit den eigenen Augen.

Die ästhetische Herausforderung liegt darin, dass wir der Carbonografie nicht als Zeichen habhaft werden. Wollten wir es als Vorzeichen interpretieren, dann auf einer Metaebene der Kunstgeschichte, in Gestalt einer Genealogie, einer Herkunfts- oder Nachbarschaftsgeschichte zum Informel, das nicht zufällig nach einer bis dahin für undenkbar gehaltenen Zerstörung entstand und für das Malen eine eigene Gestik, eruptive Energien und Intensitäten entfesselte und damit für das bildnerische Gestalten neue Kräfte freisetzte.

Das kristalline, fast metallische Leuchten der Carbonografie gibt ein kohlenstoffbasiertes Zeichen aus unserer Nachwelt. Die Insassen von Platons Höhle sind dahin, ihr Aufstieg ins Licht der Sonne, in die Welt des Intelligiblen und die Rückkehr des Philosophen in die Höhle sind Prähistorie. Sie bezeugen nichts mehr.

So bleibt die Carbonografie eine Spur, ein Abdruck für ein visuelles Abtasten, das – so weit wie nur möglich – auf Projektionen verzichtet. Wir sehen Dunkles und Helles, Schichten, Reliefs, Risse, ein Leuchten ohne verortbare Lichtquelle, das an ein Netzhautphänomen erinnert, das nach einem grellen Blitz nur als Erinnerung haften bleibt – an den blendenden Schmerz des Lichts.

Deshalb illustriert die Carbonografie Gerard van Smirrens die Zwecke dieses Blogs wie ein Sinnbild. Anlasslos zu schreiben wirkt nur auf den ersten Blick als Paradox, dient der Distanz zu dem, was der Fall ist, gegenüber Themen-Konjunkturen und politischen Narrativen, sucht nach blinden Flecken, zarten Rissen und dunklen Stellen, findet dafür eine eigene Sprache, damit die Welt lesbar bleibt – oder wird.

28 Responses to »… des KÖHLERS tRaum«
  1. Anja Dennerlein Antworten

    Bin neugierig auf mehr….

  2. Stefan Antworten

    Und weil das alles stimmt, mit der Petrischale und dem ganzen Weltrest, bin ich schon sehr gespannt, wie Du der unausweichlichen Anlasslosigkeit mit vollen Ladungen Sinn begegnest. Ich werde dich streng beobachten. 😉

    • Hans Hütt Antworten

      Ich bitte darum!

  3. Fritz Iversen Antworten

    Sehr schön, die Programmatik von einem Bild „formulieren“ zu lassen, das nichts bezeichnet, sondern nur ein reines, erklärungsloses Anschauungsfeld ist. Wahrnehmung ohne Wahrheit, wie Musik. Weh dem, der daran etwas anderes beweisen oder begründen will, als das, was er sieht. Anlasslos schreiben wirst du leicht hinkriegen, erklärungsfrei hinaus in die Natur des eigenes Geistes – dafür wünsche ich viel Glück. (Und bin auch gespannt, auf welche Abenteuer du dabei stößt …)

    • Hans Hütt Antworten

      Danke – ich bin selbst neugierig darauf. Es wird übrigens ein kleines Subformat unter der Rubrik „Spähkritik“ geben.

  4. ruby Antworten

    Auf Reisen:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/f/f3/Pmg_-_travels.jpg
    Alles Gute!
    Hoffe nicht allzu oft, „anlasslos“ (gefällt) aufzutauchen.

  5. Bladnoch1971 Antworten

    Schön, dass Sie sich entschlossen haben, wieder einen Blog zu betreiben. Den Namen finde ich gut und auf die angekündigte „Spähkritik“ bin ich schon gespannt.
    Alles Gute und einen erfolgreichen Blog.

  6. Soldat Schwejk Antworten

    Des Köhlers Traum

    Links: Ein Ohr, ein Tintenfisch
    während weiter hinten sich
    Spalte öffnen in das Dunkel
    Rechts reißt Himmel auf. Gefunkel
    fremder Sonnen, die zu fallen
    scheinen in das Reich der Quallen
    welche unten rechts am Rande
    treibt der Wind vom Meer zum Lande
    Um das Deuten zu beginnen:
    Rechts ist außen, links ist innen
    Fingerprint fein in der Mitte
    sagt: Laß dies MEIN Bild sein, bitte!

    • Hans Hütt Antworten

      Schwejk
      Das zeigt als Miniatur die Macht des Bildes – natürlich auch ein Auge mit Händchen fürs Erzählen. Danke!

    • Jochen Venus Antworten

      @Soldat Schwejk

      Ich glaube, ich habe noch nie eine derart unwahrscheinliche Pictura-Subscriptio-Komination gesehen. Bin ganz verdattert.

      Übrigens hast Du eine Stimme. Wenn Deine Gedichte mal irgendwo gesammelt erscheinen, lässt Du es uns wissen, ja?

      • Soldat Schwejk Antworten

        Na, da wird wohl nichts gesammelt erscheinen… Diese Sumpfblüten können nur spontan im Sumpfbiotop der Online-Kommunikation gedeihen, und sie sind vielleicht auch als kleine absurde Interventionen zu verstehen gegen das, was Du an anderer Stelle die nur hier so zu machende „Vergeblichkeitserfahrung“ nennst…

  7. Jochen Venus Antworten

    „Die Insassen von Platons Höhle sind dahin, ihr Aufstieg ins Licht der Sonne, in die Welt des Intelligiblen und die Rückkehr des Philosophen in die Höhle sind Prähistorie. Sie bezeugen nichts mehr.“

    Wenn das ein Bild nach dem Ende wäre, dürften wir, endlich wie wir sind, es nicht sehen können. Die Carbonographien sind, glaube ich, Bilder des Anfangs.

    In diesem Sinne: Ich fidne es großartig, dass Du diesen Anfang machst und freue mich auf inspirierende Diskussionen!

    „Der Anfang ist ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht, darin das Ding, welches anfängt, noch nicht war.“

    „Wieder versuchen, wieder scheitern, besser scheitern«

    Herzliche Grüße!

  8. Thorsten Schmidt Antworten

    Eigentlich verstehe ich nur Bahnhof.
    Was für unbewusste Zeichen nimmt der „kluge Hans“ da nur wahr?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kluger_Hans

  9. petervonkloss Antworten

    Dies Abbild sein zu dürfen, (verdankt) sich im Wesentlichen (auch) einem mächtigen Instrument.
    Das dies Menschen händeln ist ein Vorzeichen.
    Und nicht zufällig macht sie eine Nichts – Sichtung des ungemalten und doch gezeichneten Stoffs.

    Paradoxa der Interlinearität werden im politischen wie ästhestischem Raum sichtbar werden.

    Jede (die) Wahrheit, die diesen Namen verdient, hat eine Verrückung der Sprache zur Folge, denn die Wahrheit
    IST (Istigkeit) in der Verrückung, zu der das eigentlichste Ereignis zwingt.

    In aller Folge wurde ich zunächst ein „Anlasslos“, welche die Chiffrenbildungen durchsah………………….

    So ist es jedenfalls mir ergangen und ohne Heidegger! wie es zunächst scheinen mag;

    Den ich aber in langer Weile verstanden habe;

    Hölderlins Heraklit.

    Lebenslauf
    Größeres wolltest auch du, aber die Liebe zwingt / All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, / Doch es kehret umsonst nicht / Unser Bogen, woher er kommt. / Aufwärts oder hinab ! herrschet in heil`ger Nacht, / Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, / herrscht im schiefesten Orkus / Nicht ein Grades, ein Recht noch auch ? / Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich, / Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden, / Daß ich wüßte, mit Vorsicht, / mich des ebenen Pfads geführt. / Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, / Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern`, / Und verstehe die Freiheit, / Aufzubrechen, wohin er will.

    Alles Liebe.

  10. Walter Eggers Antworten

    Nices Wölkchen!

    http://www.youtube.com/watch?v=kbaaSJgZWbg

  11. petervonkloss Antworten

    (Der Beginn dieses Kommentars bezieht sich auf eine Diskussion andernorts, ist deshalb hier entbehrlich. HH)

    Das Subjekt sollte für alles Monströse der Menschheit, einschließlich seiner selbst, dankbar sein, denn es erspart ihm den jüdisch – christlichen Gott der säkularisierten Selbstentäuschung (die Moderne).

    Das (geheime) Großartige ist das paulinisch- christliche Äquivalent des Monströsen.in seiner folgerichtigen Säkularisierung (z. B. der Holocaust, des Gulags, die unzähligen, in die hunderte Millionen Tote gehenden Maos);
    ….oder die Music Beethovens, R. W. oder Rammsteins als Tragödie; …..daß dies keiner zu denken vermag, versteht sich sofort.

    Aber entscheidende und freie Menschen sollten immer wieder ein tieferes Verhältnis zu Nietzsche (und Heidegger) aufbauen, da für sie Fragen der Theodizee, letztlich unerheblich sind.

    Du mußt deinen Körper fragen, willst du mich schon loslösend sterbend machen, oder soll ich mich der Dummdrei-
    stigkeiten der unmittelbaren Existenz gegenüber der Gesellschaft (und Politik) ergeben. (das Problem des Aussen-
    seiters).

    Natürlich ist dies mit einer gewissen „Einsamkeit“ gegenüber dem Gesellschaftsmenschen verbunden, der letztlich
    aber unerheblich ist.

    Du mußt deine Krankheit erkennen und zu gangbaren Formen der Selbstheilung weiterentwickeln.

    POESIE DER POLITIK

    Man müsste eine Sternenleiche wiedergebären, sozusagen als Blindschleiche, da sie tief ins Herz eingelassen
    schlummert für eine Ewigkeit und plötzlich die unbekannte Sichtung wagt für das Großartige alles Sonnenhaften,
    deren Herzensblick das Weltall durchstrahlt.

    Der Geschichtsraum, verlassen von allen guten Geistern, („die Erde ist ein Irrstern“; Martin Heidegger),
    irrt im Wohlanständigen des Wohlstands der Gutheit für alle. Das Rechte als Komplement der Linken hat keine propositionale Substanz in den Medien mehr aufzubieten, da diese die linksliberale Kleinbürgerlichkeit im
    Weltmaßstab denken., und die philosophisch relativ dürftige Sprache des Englischen, für die Schlechtgebildeten zur lingua franca wurde, so daß sich gleichsam alle ein bischen wie Hochgebildete fühlen dürfen.

    Dies ist ein großer Erfolg der Sozialwissenschaften.

    Was soll da noch Russland oder das Lakeientum der Deutschen, die als erstes den Antisemitismus Heideggers sehen,
    und nicht ihre tiefe Beklopptheit nach all den intellektuellen Nachkriegberappelungen zur neuen Unschuld vom deut-
    schen Lande mit Rock`n Roll und Neubildungen der Bildung, die vieles vergessen und iauguriert durch die neuen Rectores, absichtlich weggelassen hat.

    Dagegen das heraklitische Überfließen der Gegensätze zum Äquilibrium der letztlich entropischen Machtdestabili-
    sierung, da es keine Hautenge der explodierenden Körper als Rockschmus, Konsum und Hollywood geben kann.

    Diese Art der stetigen Komplementierungen ist für „normal Sterbliche“ des wissenschaftlichen Positivums von
    beschreibender Aufklärung in poetischen Leerräumen des Umschlagens, kaum ertragbar, da das substantiierte
    Wissen durchaus heideggerisch, temporalisierte Verbalisierungen jenseits hegelianischer Linearität erfährt.

    „Ich habe in meiner ‚Genealogie der Moral‘ zum ersten Male den Gegensatz-Begriff einer vornehmen Moral und einer Ressentiment-Moral psychologisch vorgeführt, letztere aus dem Nein gegen die erstere entsprungen: aber dies ist die jüdisch-christliche Moral ganz und gar.“ F. Nietzsche.

    Noch schlimmer wäre die Vorstellung, daß das Monströße paulinischen Ursprungs, einen sehr wesentlichen Anteil
    an der Geburtsszene der Moderne beinhaltet, insofern jedem durch Taufe die Teilhabe am Göttlichen konzediert wird; und erst daraus die Techniken entstehen, mit Hilfe der eingesunkenen germanisch-keltischen Könige, die sich
    von Schrift/rollen überzeugen ließen und dann nolens volens durch ihre Kampfkraft das Christentum in die Höhe aller Herrschaft katapultierten.
    Insofern wäre kein Antisemitismus gerechtfertigt, da der eigentliche Gewaltakt der Durchsetzung des Christentums,
    durch die germanisch-(keltischen)-frankischen-normannischen Stämme erfolgte.

    Aber Nietzsche nannte schon den Intellektualverbrecher Paulus als solchen, weil er aus seiner „Sklavenmoral“, das Heilige für sich als Wille zur Macht benutzte und sofort „weltweit“ in die Gegenden streute, als wäre es ein Nichts, nur durch die Taufe gehoben, in eine erste Abstraktheit, die sich per patonisch-sokratischem Denken zur Metaphysik des Aristoteles (und lateinischen Übersetzung und Verfälschung) erhob und schließ-
    lich die „Sicherungssysteme“ zur Raumfahrt des Technischen löste und später in der Renaissance einem weiteren
    „Intellektualverbrecher“ namens Leonardo da Vinci die Türen zu seinen „teuflischen“ Spielchen öffnete.

    http://www.ruhr-uni-bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/hoerl_2006_heidegger_und_die_roemer.pdf

    (Die Kelten zeichneten sich durch eine vollkommen eigene Seinsweise aus, die einem asiatischem Modus glich.)

    Seit Karl dem Großen ist das (paulinische) Christentum mit seiner übernationalen Naturentfernung im Lauf der Geschichte des Go West angekommen.

    Welche vielleicht noch durch nationale Eigenarten der echten „katholischen“ Mystik verlangsamt werden konnte. (Meister Eckehart.) Decartes will ich hier nicht weiter erläutern.

    – In den Industriegesellschaften kommt das Inkarnations – Projekt in seine Vollendung (Hegels Gegenwart des
    Absoluten)
    – der Moderne der heutigen Form des progressiven Chaos. Wuchernde und wahllose (wehrlose) Multikulturali-
    – sierung.
    – Die moderne Ökonomie hat sich im Zuge dieser Bewegung ausgebildet.
    – In der Kälte der Techniken und in der Durchsetzung des modernen Vernunftstaates sieht Hegel die
    – Gegenwart des Absoluten erreicht. …also die Inkarnierung des Todes als Programmstruktur.für die
    – Gesamte Erde. EU – USA.
    – Das (paulinische) Christentum ist die verheerendste Organisation des Religiösen und führt aufgrund der
    – Ihm eigenen Konfusion zu unglaublichen Rückschritten oder Gewaltsamkeiten.
    – Kaiser Julian der Abtrünnige, der christlich erzogen wurde und zum Heidentum zurückkehrte, schrieb in
    – Einem berühmten Text, daß das Christentum jede Ordnung zerstöre, und es unmöglich mache zu wissen,
    – Was heilig ist und profan.

    Insofern wäre die Vorstellung eines erneuten Weltkrieges (@Holgers) durchaus heilsam, da Dekadenzvorstellungen
    bezüglich der Moderne überhandnehmen. Das Beklopptentum in Wissenschaft und Politik hat nichts besseres als
    weiter GO –WEST zu bieten.

    Im eigensten Interesse der Europäer liegt es jetzt die EU endlich aufzulösen, und damit die Zukunft offenzuhalten.
    Und praktikablen Verbindungen Raum zu schaffen.

    Vielleicht ein äquidistantes, „finnlandisiertes“ Deutschland (ohne Natomitgliedschaft), welches die Go-West –Be-
    wegung desweiteren verlangsamen könnte (bis zum allgemeine Zusammenbruch, und dann die russischen Kartoffeln ihrer Subsistenzwirtschaft).
    Wäre auch mal aus historischen Gründen interessant GO – OST!

    Deutschland und Russland (und China) könnten eine neue seinsgeschichtliche Repräsentatio der Coincidentia Oppo-
    sitorum wagen!
    Nur diese Drei! (Tertium non datur)

    Die USA werden es in Zukunft auf Grund der Zusammensetzung ihrer Bevölkerungverhältnisse nicht schaffen!

    Die Jurtenbewegung innerhalb der „Linken“, kommt mir sehr entgegen, denn dann sind die Germanen – Slaven –
    Asiaten – Indianer erstmals in ihrer wirklichen Nähe zueinander in einem historischen Kreislauf der Ewigen Wie-
    derkunft des Gleichen geschlossen und eröffnen eine neue Welt!!

    Heidegger und Nietzsche würden jauchzen! Und mit Richard Wagener, Beethoven und Rammstein neue Opern
    schreiben.

    Als einzige Möglichkeit dies zu realisieren, sehe ich nur eine GROKO aus AfD und Linke!!!:

    „Alternative für Deutschland“ fordert Empathie für Kreml

    So hatte Vize-Parteichef Alexander Gauland kurz vor der Bundestagswahl im vorigen September Russland durchaus ins Zentrum der außenpolitischen Erwägungen der AfD gestellt. Deutschland müsse die russischen Bedürfnisse im Umgang mit den Nachfolgestaaten der einstigen Sowjetunion verstehen, sagte er. Zwar gehörten die Ukraine, Weißrussland, Georgien und Moldawien „unstreitig zu Europa“, so Gauland. Doch habe Russland die Loslösung des „heiligen Kiew“, was immerhin die Keimzelle Russlands gewesen sei, nie verwunden. „Das ist auch schwer vorstellbar, da diese Trennung nur vergleichbar ist mit der Abtrennung Aachens oder Kölns von Deutschland“, befand der AfD-Politiker.

    Deshalb sollte der Westen in Osteuropa mit „äußerster Vorsicht und unter Wahrung der Empfindlichkeiten Russlands“ agieren. Deutschland und Europa hätten kein Interesse an einer weiteren Schwächung Russlands und damit auch des gesamten euroasiatischen Raumes, schrieb die AfD damals, im September 2013. „Wir Deutschen vergessen manchmal, dass Russland an entscheidenden Wegmarken der deutschen Geschichte positiv Pate gestanden und Preußen vor dem Untergang bewahrt hat. Das gilt für 1763, 1806/07, 1813, die Bismarcksche Reichseinigung von 1866/70 und die deutsche Wiedervereinigung von 1990/91.“

    – Dahinter steckt vor allem ein konservatives Weltbild, in dem der Nationalsozialismus zwar als düsterstes Kapitel der deutschen Geschichte anerkannt wird – aber nicht zu dominant über die Nationalhistorie der Deutschen sein soll. „ Wir Deutsche neigen dazu, nach den Erfahrungen der Hitler-Jahre die Definition und Verfolgung nationaler Interessen per se für etwas Schlechtes zu halten“, sagte Gauland seinerzeit . – FR.

  12. Lina Antworten

    Es ist ein Fass! Es ist ein Fass!
    Es ist ein riesengroßes Fass!

    😉

  13. petervonkloss Antworten

    Sic!

  14. petervonkloss Antworten

    @H. Hütt, @Schweik, @Holger, @Morph, @BB, @Lina.

    Prof. Dugins Frage nach Heideggers „letzten Gott“.

    Wichtig ab 30:10!

    http://www.youtube.com/watch?v=b93z2yPo4pA

    „Es ist ein riesengroßes Fass“:

  15. petervonkloss Antworten

    Vielleicht ist von Herrmann
    das Herdentier im Reich der Erkenntnis (der Philologie) und in den Bereichen des Genies?
    Aber er ist wichtig.

  16. Soldat Schwejk Antworten

    @ pvk

    Nu hab ich mir die Passage ab 30:10 auf Dein Geheiß hin angesehen.

    Der deutsche Gelehrte und der russische postmoderne Akademiker-Entertainer…

    ab 31:00 – der Gelehrte blättert umständlich in Papieren rum

    32:30 – der Gelehrte fuchtelt mit den Händen in der Luft herum und schnauft vor Erregung

    33:10 – er blättert wieder in Papieren herum
    —> „Hier fängt es an, und hier sind die Endnoten, und dann geht es bis dahin… warten Sie mal, was ist denn das hier?…“

    33:50 – er blättert weiter
    —> „Welche Seite ist denn das?“

    34:10
    —> „Also ich lese das mal… Anfang der 30-er Jahre wandelt sich die transzendentale horizontale Blickbahn der hermeneutischen Phänomenologie des Daseins, Sein und Zeit, ich nenne das transzendental-horizontale Blickbahn, das ist meine Definition […] wandelt sich in die seins- oder ereignisgeschichtliche Blickbahn, in der die Zusammengehörigkeit der Wahrheit des Seins und des Daseins als Ereignis erfahren und gedacht wird…“

    ab 37:00
    —> „Heidegger hätte auch, hätte auch, Heidegger hätte auch seinen früheren Ansatz der christlichen Gottesfrage hätte er… [der Gelehrte kratzt sich am Kopf]… bis in das Ereignisdenken fortsetzen können…“

    ab 37:30
    —> „ereignisgeschichtliche Gottesfrage […] daß die Gottesfrage im Ereignisdenken nicht nur…“ [der Gelehrte hält inne und blickt einen Moment in die Ferne]… „mit dem letzten Gott beantwortet werden kann. […] An Stelle des letzten Gottes könnte… äh… könnte auch gedacht werden, das ist meine… äh… philosophische Überzeugung, eine ereignishafte neue Grundlegung, wie der christliche Gott […] gedacht werden kann…“

    Währenddessen legt der russische Postmoderne einen zunehmend versteinerten Gesichtsausdruck an den Tag. Könnte man über ihm eine Gedankenblase sehen, so würde darin wohl zu lesen sein:

    —>“Hoffentlich gibt es nachher in der Kantine wenigstens wieder diese leckeren Maultaschen, die mich an die russischen Pelmeni erinnern.“

    Ich bitte um Nachsicht, nach Minute 38 abgebrochen zu haben. 8 Minuten waren vergangen, und der einzige Informationsgehalt schien darin zu bestehen, daß der Herrmann wohl bei der Bibellektüre die Johannesoffenbarung mit ihrer Action unterhaltsamer fand als die Paulusbriefe. Aber daß er fand, man solle die Johannesoffenbarung doch in der Bibel lassen und sie nicht separat als Horrorliteratur herausgeben.

    Wahrscheinlich hat Dir die Offenbarung ja auch von der ganzen Bibel am besten gefallen, weil darin das ganze Viehzeugs vorkommt. Naja…

    Ansonsten würde ein Stück von dem Video wohl ganz gut in eine deutsche Version von „Monty Python“ passen.

    Ich schrub Dir wohl schon einmal, ich verstehe ja den Protest gegen die Vereinnahmung der Affekte und Impulse des Einzelnen in rationalistischen Weltdeutungen. Aber ab einem gewissen Alter sollte einem doch bewußt sein, daß dieser Protest eigentlich nicht sinnvoll kommunizierbar ist, es sei denn in der Einsamkeit poetischer Versuche. Daß aber jeder Versuch, ihm kollektive Geltung zu verschaffen und ihn gar noch in die Sprache der Politik oder der Ereignisgeschichte zu übersetzen, ziemlich albern ist… und im besten Falle in „Monty Pythons wunderbarer Welt“ einen Platz hätte.

  17. petervonkloss Antworten

    Lieber Soldat,
    Die Fassung dieser Thematik innerhalb eines solchen Gesprächs ist ungeheuerlich, zumal von Herrmann nicht mehr der Jüngste ist.
    Vorauszusetzen ist auch die Kenntnis des Unterschieds zwischen Sein und Seiendem!
    Überhaupt sollte man sich als Intellektueller, schon mal mit Nietzsche und Heidegger über das Wiki-
    pedia-Maß hinausbewegt haben.

    Eugen Fink .
    Zum 30. Todesjahr Edmund Husserls

    „Es ist eine immense Spannung, mitten in der Zeit nach dem Ganzen der Zeit auszuspähen, mitten im Weltraum, in einer binnenweltlichen
    Situation sich nach der Totalität auszustrecken in trunkenen Ekstasen eines
    ozeanischen Gefühls oder im nüchternen endlichen Ausdenken der Unendlichkeit. Die
    kosmische Situiertheit des Menschen verführt immer wieder dazu, das Universum des
    Seins wie ein riesengroßes Ding vorzustellen und es mit dingontologischen Kategorien
    bestimmen zu wollen und ein ,,fundamentum“, eine Basis für einen Weg des Ver-
    stehen~ zu suchen, sei es im methodischen Ausgang vom leibhaft-,,gegebenen“ Nahding
    oder vom eigenen Selbstbewußtsein aus. Dieser fatale Hang des Menschengeistes, das
    Sein von einem Seienden aus, die Welt von einer innerweltlichen Lage aus andenken
    zu wollen und dabei zu ,,verdinglichen“, wirft einen verdüsternden Schatten auch über
    die große Philosophie und ist ein Index menschlicher Endlichkeit. Edmund Husserl war
    auch in dieser Hinsicht unser.“.

  18. Horst H Hoos Antworten

    Super gut

  19. petervonkloss Antworten

    Heidegger!

    Hannah Arendt sagte mal über Heideggers Einlassungen in den NS sinngemäß, dass selbst bei noch größerer Verwicklung in diesen, er trotzdem der bedeutendste Philosoph sei.

    Für Genderstudies ist dies natürlich eine neurotische Reaktion ihrer sonderbaren „Verliebtheit“; und wurde (in vielen Dissertationen) auf diese zurückgeführt.

    Man sollte diese linksideologischen Dissertanten teeren und federn, und ihre Lehrstühle evaluieren.

    Ich möchte nicht wissen wie viel seltsam gesampeltes Gedankengut akademisch gewürdigt wurde,

    und wie viele Moderatoren/innen und Journalisten/innen deswegen ihr mittelmäßiges Geschäft ver-

    richten dürfen.

    Ihr Einfluss ist sicherlich nicht unerheblich und immer wieder beschaulich in ihrer ideologischen

    Blümlichkeit der rechten linksliberalen und proamerikanischen und guten Gesinnung. (man studierte

    dort).

    Der deutschamerikanische Jude Leo Strauss sagte hingegen einfach:

    „Heidegger war der einzige deutsche Philosoph; er überragte alle seine Zeitgenossen an spekulativer

    Intelligenz; er brachte einer ganzen Generation bei, wie zu denken und zu lesen sei; er ermöglichte

    eine echte Rückkehr zur klassischen Philosophie, zur Philosophie von Platon und Aristoteles; im

    Vergleich zu Heidegger war Max Weber ein Waisenknabe;

    im Grund war Heidegger der einzige große Denker unserer Zeit“.

    Einzig warf er ihm vor, zuwenig elitär gewesen zu sein! Und weiter…..

    „Er ist einer der wenigen, die die entscheidenden Fragen gewagt haben.

    Er ist einer der wenigen, die die reale Alternative zum modernen Denken erkannt haben.

    Er ist einer der wenigen, die der mentalen und moralischen Katastrophe der Moderne

    standgehalten haben.

    Nahezu alle anderen verschmachten in ihren Käfigen, während er einer der wenigen ist, die

    ihre Ketten gesprengt haben.“.

    Ansonsten habe ich keine weitere Lust, hier Vorlesungen für die einschlägig bekannten „Erkenntnis-

    theoretiker“ zu halten.

    http://ifb.bsz-bw.de/bsz318822865rez-1.pdf

  20. Lina Antworten

    Ich meinte das Bild. „Des Köhlers tRaum“ ist das Innere eines riesengroßen Fasses 😀

    Deutlich sichtbar
    Links unten: ein Tintenfisch
    Rechts unten: Sumpfblütenwurzeln
    Mitte: Ein Wirbel. Der entsteht, wenn Hans etwas aus dem dunklen Fass rausfischt, ans Tageslicht zerrt und seziert.
    Links oben: Ein Vogel, der fliegt über alles hinweg


    • petervonkloss Antworten

      Es gibt Leute, die halten Rorschachkleckse für Formen der vollkommen überschätzten Blumenberg-
      Philosophie. (Siehe das Raubtier im Text).

  21. petervonkloss Antworten

    viktor sagt:
    13. Januar 2014 um 22:28
    Ja, Trawny ist wirklich ein kluger Kopf. Er hat eine ästhetische Schwäche für die elitäre Rechte der klassischen Moderne, scheint mir. George, Heidegger, auch Jünger, das sind seine Referenzautoren, zusammen mit Hölderlin. Aber ihm ist dabei die mörderische Seite durchaus bewusst, er gehört nicht zu den Verharmlosern.
    Das angekündigte Buch “H. und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung” wird jetzt auch ein Prüfstein seiner Integrität, auf den ich sehr gespannt bin. Akademisch ist er ein ziemlicher Einzelkämpfer. Er gehört weder zu den klassischen Freiburgern noch zu den postmodernen Franzosen. In seiner Nische der Wuppertaler Phänomenologie kann er offensichtlich zwar leben, aber richtig etabliert scheint er dort auch nicht. H.s Familie setzt aber offensichtlich großes Vertrauen in ihn.
    Mir gefallen ja solche Leute, die tatsächlich einen eigenen philosophischen Weg zu gehen versuchen; aber mit seiner Ausgangsposition befindet er sich nicht nur wissenschaftlich, sondern eben auch politisch auf sehr vermintem Gelände.
    Die Brüder Jünger, die sehe ich meist als Paar, hat tatsächlich ihre ästhetizistische Überheblichkeit oder nett gesagt ihr guter Geschmack ‘gerettet’. Daniel Morat hat die schöne Arbeit “Von der Tat zur Gelassenheit” vor einigen Jahren vorgelegt, da sind ganz wunderbar schreckliche (vice versa) Schilderungen des Ekels verzeichnet, der die beiden ergriffen hat. Hitler war für sie der demokratische Triumph des Pöbels, damit wollten sie einfach nicht gemein sein. Aber gegen das, was sich in Ernst Jüngers “Politische Publizistik 1919-1933″ findet, ist alles, was ich bisher von H. zu diesem Thema gelesen habe, wirklich harmlos. Einzig der Beitrag “Die totale Mobilmachung”, der schon einiges vorweg nimmt, was später im “Arbeiter” erscheint, kann eine gewisse gedankliche Höhe beanspruchen. Der Rest ist nur sehr schwer erträgliche Blut-und-Boden-Propaganda, Nicht ohne Grund hat Jünger diese Sachen später im Rahmen seiner ‘Werkpolitik’ aus seinem Oeuvre gestrichen. Friedrich Georg war da meist etwas subtiler, aber nicht minder gefährlich. Diese beiden haben wirklich den intellektuellen Kampf gegen die Republik geführt zu einer Zeit, als H. noch vollkommen in seiner Ausarbeitung einer Fundamentalontologie versunken war. In meinen Augen war er in solchen Dingen auch (nicht: nur) naiv, was keine Entschuldigung sein soll. Eher so etwas wie die Kritik von Overbeck an seinem Freund Nietzsche: Er redet da von Dingen, von denen er nichts versteht und die ihn letztlich auch nichts angehen sollten.
    Ich schätze, dass man bei H., wenn denn diese Debatte ein neues Niveau der Historisierung geschafft hat, was sicherlich noch einige Zeit dauern wird, philosophisch noch einiges gewinnbringend diskutieren kann. Insbesondere was sein Denken der Differenz anbelangt. H. hat zum Ende seines Lebens alle seine Versuche für vergeblich erachtet, sich selbst wieder als letztlich gescheiterten Metaphysiker gesehen. Er nimmt da einiges von dem vorweg, was Derrida später als die Unmöglichkeit, der Metaphysik zu entkommen, theoretisiert hat. Gerade im Band “Zum Ereignis-Denken” kann man da Spannendes lesen. Für die “Schwarzen Hefte” hat Trawny ja auch noch Überraschungen angekündigt. Aber zuerst muss jetzt eine philologische, geschichtliche und auch politische Diskussion geführt werden, das ist notwendige Vorarbeit, das dringend benötigte Aufräumen der Schuttberge.

  22. petervonkloss Antworten

    Lieber Viktor,

    wo sind die Zukünftigen, und das Da-Sein des Ereignisbuches

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