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Unterwerfung

Nur als Hinweis.  Dieser Beitrag von mir [1] über das verzwickte Verhältnis zwischen Schuld und Schulden erscheint heute. Ein guter Anlass offenzulegen, dass ich über diese Beziehung auch aus privaten Gründen nachzudenken hatte. Am Ende waren drei familiäre Bindungen auf Dauer zerstört, obschon die Schulden auf Heller und Pfennig getilgt waren. Was bleibt, ist nicht bezifferbar.

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10 Kommentare Empfänger "Unterwerfung"

#1 Kommentar von Soldat Schwejk am 15. Juli 2015 @ 0:13

Guter Artikel. An diese etymologischen Sachen hatte ich in dem Zusammenhang auch schon einen Gedanken verschwendet. Beim Lesen Deines Artikels dachte ich aber: Es ist vielleicht sogar weniger die ältere Wortbildung, sondern es sind neuere Konnotationen, die eine Rolle spielen…

Dem teutonischen Kollektiv ist die Idee der Kollektivschuld eingeimpft worden, und es hat also den Furor Teutonicus eine Weile nach innen gerichtet wirken lassen.

Nun aber geht die neue Erzählung so, daß die Teutonen über Jahrzehnte hinweg endlich das vermeintliche Super-Staatswesen geschaffen haben. Hegels späte Vollendung im Zeichen von Fußballweltmeister & Schuldenbremse.

Aber der nach innen gerichtete Affekt, der vorher noch zur demonstrativen Selbstkasteiung führte, der ist damit nicht weg – der richtet sich plötzlich aggressiv nach außen.

Man versteht draußen vielleicht nicht: Wo kommt dieser Affekt her? Und wo will er hin? Er kleidet sich ja noch in scheinbare ökonomische Rationalitäten, auch wenn dahinter brutal verfochtene wirtschaftliche Partikularinteressen sichtbar werden. (Siehe “Treuhandfonds”.)

Aber der Affekt (das zeigen auch die ersten Kommentarseiten bei der “Zeit”) läßt sich damit nicht vollständig einfangen.

“WIR” sind so lange mit unserer Schuld gequält worden, von “UNS” ist symbolische “Tilgung” beansprucht worden.

JETZT JETZT JETZT aber wollen “WIR” auch “Tilgung” sehen – und quälen “DIE” mit den Schulden. Diese Umkehrung… daß andere tilgen, sich erlösen müssen… und dabei gequält werden… die scheinen “WIR” zur Stabilisierung unserer neuen Erzählung zu brauchen… um “UNS” selbst symbolisch von der Schuld und der Pein zu erlösen…

Diese Verbindung bringt allerdings das englische Wort “Redemption” (= “Tilgung”, “Erlösung”) besser zum Ausdruck.

#2 Kommentar von Hans Hütt am 15. Juli 2015 @ 6:21

Oh, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Eine Erlösungsrache!

#3 Kommentar von Oliver am 7. August 2015 @ 12:32

Der Kommentar ist eine schöne Analyse des Augstein-Worts vom Euro als “Über-Versailles”.

Schuld sind Schulden sind Über-Ich.

#4 Kommentar von kalo am 16. Juli 2015 @ 14:24

“… zu Recht grausam zu sein” – exzellente Diagnose. Den Text hätte ich gern selbst geschrieben.

#5 Kommentar von kalo am 16. Juli 2015 @ 14:49

Den wollte ich noch beilegen: [2]. Auch wenn ich ahne, daß der wache Leser Hütt ihn schon längst gefunden hat.

#6 Kommentar von Hans Hütt am 16. Juli 2015 @ 17:22

Ja, danke, den kannte ich natürlich. Er bestätigt aus der Außenwahrnehmung das Drama der Geiselnahme des öffentlichen Denkens durch eine ökonomische Ideologie.

#7 Kommentar von petervonkloss am 20. Juli 2015 @ 3:21

Schuld oder er hat seine Schuldigkeit getan?

Zur Erinnerung:
Huxley:

Das Leitthema des Buches ist der eigentlichen Handlung vorangestellt. Es sind drei Verse von William Shakespeare, deren Sinn im Epilog des Romans erläutert werden. Sie lauten:
„Doch Denken ist des Lebens Sklav, das Leben der Narr der Zeit; und Zeit, die messend schaut die ganze Welt, muss enden.“

Wenn ich „prinzipiell“ meinte, dachte ich auch an die Prinzipien eines „schlechten“ Platonismus wie der kant`sche
Imperativ (den ich ansonsten ganz gut finde) und den hegel`schen Weltgeist, von dem ja viele …..auch Post-Marxisten ihre Legitimation beziehen.

Zum anderen ist Lichtenberg womöglich ein Witzbold, der mit seiner Apodiktik „und wird herrschen bis ans Ende
der Zeit“ sozusagen uns mit der Nase auf etwas hinweisen möchte wie „Time must have a stop“ (A.Huxley)….. Daraus würde schließlich der „gute“ Platonismus resultieren, der ja im Phaidros als der „wahnsinnige“ Urspung der Philosophie
beschrieben wird, und dies entgegen aller „fortschrittlichen“ Echatologien, wie sie heute noch virulent sind bei z. B.
Habermas und seinen Jüngern, als die „List der Vernunft“?!.

Die epistemologische Schwierigkeit bzw. Unmöglichkeit hat Morph bereits hervorragend beschrieben, bliebe da
noch der Begriff der Selbigkeit, den Linus mit seinem Mobile zu umgehen trachtete bzw. sogar eine Istigkeit der Selbigkeit für möglich hielt…….

Morph zitierte dann auch Heidegger mit seiner „Mahnung“ in Bezug auf die Seinsvergessenheit. Die Selbigkeit mit
der heideggerschen Anwesenheit (die ins vorsokratische Denken weist) bleibt zu bedenken, blickt sicherlich über die Mahnung hinaus:

„Die psyche ist “in” der Wahrheit, d.h. sie ist in der Weise des “Entbergens” (aletheuein). Während es bei den prädikativen Wahrheit um die Wahrheit bzw. Falschheit der Aussage geht, geht es bei der ontologischen Ebene um das “Vernehmen” bzw. “nicht Vernehmen” (noein / agnoein) des Sich-Entbergenden. Mit anderen Worten, das Sein, temporal vorverstanden als “Anwesenheit”, ermöglicht erst die Prädikation des “Wahren” und “Falschen”.“

“Schritt zurück heißt: Zurücktreten des Denkens vor der Weltzivilisation, im Abstand von ihr, keineswegs in ihrer Verleugnung, sich auf das einlassen, was im Anfang des abendländischen Denkens noch ungedacht bleiben mußte, aber dort gleichwohl schon genannt und so unserem Denken vorgesagt ist.”

[3]

#8 Kommentar von Hans Hütt am 20. Juli 2015 @ 6:10

Das lass ich so stehen, allerdings mit der Bitte, diese wgnx Tradition, zu Gott und der Welt zu schwafeln, nicht wieder aufzunehmen. Der andere Kommentar war entbehrlich weil Rundumschlag gegen zu viele Feinde.

#9 Kommentar von ruby am 20. Juli 2015 @ 8:44

Der Kreditor setzt das Vertrauen an die Rückzahlung, Erfüllung, Leistung des Debitors voraus. Dies wird im Geschäftsfreundebuch dokumentiert. Was je nach Saldo, aktivisch oder passivisch dargestellt und erläutert wird.
Es wird im Rechnungswesen insofern ebenfalls von nachhaltigen Beziehungen ausgegangen.

#10 Kommentar von Hans Hütt am 20. Juli 2015 @ 20:58

To whom it may concern

So ein Blog ist ein Medium der Schriftlichkeit. Es lädt ein zu Antworten oder auch Fragen oder Einwänden. Wunderbar. Ich bitte aber darum, mich nicht anzurufen. Schon gar nicht mitten in der Nacht.