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Grabbeigaben

In der alten Welt gab es kaum etwas, wofür die Weisheit, der Weg sei das Ziel,  so glaubhaft gegolten haben mag, wie für den Sex. Nun gibt es implantierbare Geräte [1], die in der Kultur der instant gratification den Orgasmus per Klick versprechen. Und weg ist der Weg.

Empathie bringts nicht. Auch nicht die ärztliche Anamnese. Das Vermessen der Schmerzmimik [2] scheint treffsicherer. Das automatische Dekodieren der Schmerzmimik mag in der klinischen Praxis (und für das Überführen von Simulanten) hilfreichen Ersatz versprechen. Die Militärärzte der nächsten Kriegsschauplätze, das lehrt mich Karl Marlantes´ Roman “Matterhorn”, dürften die ersten Kunden der neuen Technik sein.

Während die einen darüber nachdenken [3], ob eine Magna Charta des 21. Jahrhunderts für die Tiere adaptiert, was bisher den Menschen (ausnahmsweise) vorbehalten blieb, denken Juristen andernorts darüber nach, ob Roboter auf Schadensersatz zu verklagen [4] sind.

In einer Situation, in der Science Fiction [5] fast auschließlich dystopisch daherkommen, bietet es keinen Trost, dass die Nachricht vom Untergang der Welt maschinenlesbar von Maschinen bereitgestellt wird [6].

Damit genug für heute zur neuen Rubrik der Grabbeigaben.

 

2 Kommentare (Öffnen | Schließen)

2 Kommentare Empfänger "Grabbeigaben"

#1 Kommentar von Soldat Schwejk am 24. März 2014 @ 23:27

Na, da der Titel schon “Grabbeigaben” heißt…

Die Sache mit dem Maschinenjournalismus und möglichen juristischen Kollateralschäden erinnert mich an eine Geschichte, die ein Journalist mir mal erzählte.

Bei seinem damaligen Blatt gab es einen Datenordner unter der Überschrift “Nachrufe”, wo ein Haufen bereits verfaßter Nachrufe auf noch lebende Personen gelagert war, bei denen auf Grund des fortgeschrittenen Alters aber mit einer baldigen Verwendbarkeit des Textes gerechnet wurde. Diese Praxis sollte es möglich machen, auf eine entsprechende Nachricht vor Redaktionsschluß noch schnell den Nachruf ins Blatt zu hieven.

Anderswo soll es vorgekommen sein, daß ein so auf Vorrat geschriebener Nachruf durch ein Versehen bereits ante mortem in den Druck geriet, was dann wirklich rechtliche Konsequenzen hatte…

#2 Kommentar von Hans Hütt am 24. März 2014 @ 23:35

Noch schrecklicher sind fehlerhafte Nachrufe. Die Rubrik der Grabbeigaben verstehe ich übrigens auch als Ermunterung an die Mitleser, was immer ihnen an gadgets wie das Orgasmusimplantat unter die Augen kommt, mir dazu einen link zu schicken. Heute habe ich die Themen eher etwas hastig bespielt und damit versenkt.