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Entzauberung

Wer ist hier entzaubert? Whitehouse Press Corps schäumt darüber, dass die üblichen Transkriptionen der Press Briefings nicht so schnell wie gewohnt geliefert werden. Ein paar banal stockende Alltagsroutinen hageln in den Honigmond. Aber die Meinungsmacher können mit ihrem Unmut das öffentliche Meinungsklima nicht drehen. Hinter ihrer Wut steckt eine andere Entzauberung. Nicht der Präsident oder sein Stab ist es, der das Management nicht beherrscht. Die Journalisten selbst sind von vorgestern.

Der bypass der Reden und Erklärungen Obamas umgeht ihre verstopften medialen Gefäße. Die gewohnte Nähe zum Ohr oder Mund der Macht reicht nicht mehr aus, um zu verstehen, was passiert. Während in den Communities des politischen Web 2.0 schon weiter diskutiert wird, verlieren die Damen und Herren im Whitehouse Press Corps buchstäblich den Anschluss.

Dabei hätte ihnen die Lektüre der Erklärung From Peril to Progress [1] Aufschluss geben können. Obama begnügt sich nicht mit den geerbten hausgemachten Problemen. Er fügt aus der eigenen Agenda ein weiteres hinzu: den Klimawandel – und zaubert aus der vermeintlichen Überforderung so etwas wie den passepartout zur Lösung auch der anderen Probleme. Nebenbei düpiert er eine antiquierte Schule der Politikberatung in den Thinktanks von Washington: Antizipieren, analysieren und anwenden, wie Jackson Janesheute in Berlin auf einer Tagung der Bertelsmann Stiftung sein Geschäft beschrieb, geht nur dann flüssig von der Hand, wenn es entlang der Agenda der Obama-Administration erfolgt. Welcher Präsident der jüngeren amerikanischen Geschichte hat es schon verstanden, den historischen Misserfolg eines fernen Vorgängers (Richard Nixons) in einen eigenen Startvorteil zu verwandeln?