© Gerard van Smirren

Schäubles Rennen gegen sich selbst

Die Idee des Sportmärchens verdanke ich Ödön von Horváth. Heute Abend zeigt die ARD ein Filmporträt von Stephan Lamby über Wolfgang Schäuble. Für Zeit Online habe ich mir den Film angesehen.

Vor fünf Jahren habe ich in meinem alten Blog auch über Lambys Porträt Peer Steinbrücks geschrieben.

One Response to Schäubles Rennen gegen sich selbst
  1. Soldat Schwejk Antworten

    Vor einigen Wochen hatte noch jemand was zu jenem Herrn geschrieben, das war von Inhalt und Stil her wirklich erstaunlich und irgendwie gruselig. Für den Rhetoriker vermutlich schönes Anschauungsmaterial. Dazu will ich mal ’nen eigenen Kommentar von Frank Lübberdings Blog hier recyceln…

    Unterdessen lobpreist die prekärpreußische Lokalpresse auf Seite 3 den Genossen Stalin:

    http://www.pressreader.com/germany/der-tagesspiegel/20150618/281530814656323/TextView

    Der verlinkte Text ist eine Kurzfassung. Habe gerade die lange Printfassung vor mir und ergänze um einige in der Kurzfassung nicht enthaltene Originalpassagen.

    —> “Europa! Eine Göttin! Einer wie Schäuble weiß das wohl, auch das. Da muss ihm keiner was erzählen. Lange, lange schon sagt er – mit seinen Worten, die gegenwärtig Pathos meiden, wo es nur geht -, dass die europäische Einigung ein Auftrag ist. In einer durch frommes eigenes Streben und Schaffen erreichten Situation, nach einer durchaus auch gottgegebenen Gelegenheit. Aber wehe, jemand wagte zu behaupten, er sagte so etwas. Das denkt er, der Christ. Und er ist es: ein protestantischer, aufgeklärter abendländischer Christ. Darum statt Pathos Arbeitsethos. […] Dieser Kopf! Er ruht auf seinen Händen. Statuarisch. […] Aber wenn es groß ist, das zu Schaffende, dann ist er inspiriert von einer Idee. Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? In diesen Momenten ist es die Aufklärung, die einen wie ihn leitet. […] Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, befasst mit den Turbulenzen in aller Welt, verehrt ihn. […] Kleinliches Geschacher verträgt sich nicht mit dem Großen, das er im Sinn hat. Mit dem, der klein denkt und handelt, verträgt er sich nicht. Der kann ihn kennen lernen. […] Jedenfalls hat er Varoufakis gewarnt. Bei dem Griechen, dessen Kopf wie aus Stein gemeißelt ist, der in die Politik nur geraten ist, wirkt das Ganze wie eine Zurschaustellung. Die ihm zu missraten droht. Und spielt er auch eine Rolle für seinen Kanzler, seinen Premier, so ist er doch ein unerprobter Theoretiker des Spiels. Ein Mann, der mit Computerspielen Geld verdient hat. Dem manche, nein, immer mehr, unterstellen, dass er jetzt auf einem anderen Level mit dem Spiel Geld zu machen glaubt. Auf dem staatlichen Level. Schäuble weiß zu schweigen. Er schaut sich das Ganze an. Er schaut auf das große Ganze. […] Nicht dass Schäuble unfehlbar wäre. Er weiß es nur besser. […] Wer sich von ihm Geld leihen will, der muss ihn zu mehr als 100 Prozent überzeugen, dass er es sicher zurückbekommt. Nur Wissen und Rat sind großzügig von ihm zu haben. […] Die Seinsfrage, der Einzelne und die Welt, Schuld und Sühne, Charakter und Schicksal […] Können diese Augen lügen? Was für eine Frage. Nun, Wolfgang Schäuble sieht, was er sieht. Sein Blick – ist offen.”

    Herzlichen Dank, Stephan-Andreas Casdorff vom “Tagesspiegel” für dieses Musterwerk an Panegyrik. – Leider gibt es kein Smiley, mit dem sich Lachen und Kotzen gleichermaßen ausdrücken läßt.

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