© Gerard van Smirren

Zur Besiedelung durch Wahn freigegeben. Über den Roman „Rönum“

Wind. Wasser. Nebel. Wahn. Was die einen als Reiseziel betrachten, treibt andere in die Flucht. Ein Autor schrieb über die Gegend, nahe der Nordsee: „Wer diesen Landstrich zur Besiedlung freigegeben hat, gehört erschossen.“ (Hinrich von Haaren, Brandhagen) Einer dieser anderen, der vor langer Zeit die Flucht ergriffen hatte, kehrt zurück und übernimmt das Reisebüro seines Vaters.

Eine Lektüre wie geschaffen dafür, dem Empfinden meiner Tage an der Nordsee einen Kontrapunkt entgegen zu setzen. Etwas Unheimliches. Der Gezeitenwechsel, der das Watt flach fallen lässt, ehe die nächste Flut gegen das Land anrennt, der Nebel, der die Welt um dich herum auflöst, und dann dieser Wind, der auch bei gut abgedichteten Fenstern, wenn er nur lange genug über Land fegt, das Gemüt auf Betriebsmodus Sturm dreht.

Aus der Kindheit des Heimgekehrten, die nicht glücklich gewesen sein kann, poppen Bilder auf, die ihn heimholen in den Schrecken, bis auch der Leuchtturm, ein Monument des Warnens und Richtungangebens, zu atmen beginnt: breath in, breath out. Dass darüber auch die Schafe irre werden, ist kein Wunder.

Das ländliche Personal (Wirt, Bäckerin, Bauer, Apotheker, Ordnungshüter) konstituiert eine Schrumpfidee von Gesellschaft, die Heimat zu nennen nur als Kitschfigur, wenn nicht als Verrat verstanden werden kann.

Ein subtiler Schreckenston, der unentscheidbar macht, ob wir es mit einem Thriller, einem Mysterystück oder auch mit etwas ganz Anderem zu tun haben.

Der Roman Rönum von Jörg Karweick ist bei O´Connell Press erschienen. 192 Seiten, 8,90 €.

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