© Gerard van Smirren

Eine Verlustmeldung

Plötzlich ist er aus meinem Leben verschwunden. Auf Nachrichten antwortet er nicht. Versuche ihn anzurufen scheitern. Ein kleiner sozialer Tod hat die Freundschaft mit J. ereilt. Als wir uns kürzlich auf der Straße sahen, ich saß auf einer Caféterrasse, er lief vorbei, schien selbst der Moment des gegenseitigen Erkennens von einer Indifferenz getilgt, der etwas vorausgegangen sein muss, das mir verborgen geblieben ist. Ich weiß schon, dass er gelegentlich bei Nachbarn zu Besuch ist, was ihm erlaubt haben mag, mich zu beobachten, sich ein Bild von mir zu machen, das ihm nicht kongruent zu dem Bild erschienen sein mag, das unsere sonntäglichen Treffen in den vergangenen fast zehn Jahren ermöglicht hatten und das ihn zu dieser Art einer sozialen Exekution veranlasst haben könnte. Revision nicht zugelassen. Das Urteil ist vollstreckt. Ich gebe zu, im Rückblick könnte unsere Freundschaft schon früh dadurch kompromittiert worden sein, dass ich aus den Krisen, von denen ich ihm berichtete, weil er – zeitweise – der einzige Vertraute gewesen ist, zu dem ich darüber sprechen konnte, dass ich aus diesen Krisen immer wie ein Stehaufmännchen herausgekommen zu sein schien, was einer Entfesselungskunst zu verdanken war, vielleicht auch einer Form der Autonomie, der er nur applaudieren konnte, was es ihm ersparte, die Gründe dafür zu erkennen, auch die Spuren zu übersehen, die diese Konflikte bei mir hinterlassen haben. Wie schade!