© Gerard van Smirren

Abwege – eine Suada

Den Text, ein Essay ist es nicht, des Autors Botho Strauss, dieses Mal in der „Zeit“ und nicht im „Spiegel“ erschienen, lese ich, als wollte ich ihn umgehen, den Ärger und die Irritation abstreifen, die er auslöst, auch in Erinnerung an meine Polemik zu einem Spiegel-Text noch immer selbst versehrt, weil man mir teilweise zu recht die Kritik um die Ohren gehauen und dabei übersehen hat, dass ich das dramatische und literarische Werk des Autors durchaus schätze.

„Das kritische Bedenken der Lage“ – so fängt er an und findet einen Ton mystischer Prätention. Der Ton wirkt parfümiert. Strauss arbeitet synästhetisch. Was immer die Lage ist (wenn nicht von Weinbau die Rede wäre), bleibt vorerst unentscheidbar bis auf den Sachverhalt, der die Struktur dieser Prosa kennzeichnet: Sie durchzieht eine implizite Biologie, die in der Figur einer Abstoßung zum Ausdruck kommt, einer Immunabwehr der Lage gegen „früher geartetes Denken“. Dem rechnet der Autor sich selbst zu. Den Gegensatz bildet „der untergründige Strom beliebigen Geplappers“, ein Titaresios, ein Ausfluss des Styx, einer Unterwelt, über die sich Botho Strauss erhebt, von „weiter oben“ gegen „das Unten“ vertikalgespannt sondierend wie selten. Er verspricht ein Urteil über „billiges Meinen“. So klingt der hohe Ton des Verächtlichmachens, der eine Wunde, die ihm selbst geschlagen, durch unfreundliche Berührung vertiefen und nicht heilen will, ein Torquato Tasso absoluter Negativität. Weiterlesen