© Gerard van Smirren

Zur politischen Kultur des Neobiedermeiers

Vor sechs Wochen postete ich diesen von mir hier überarbeiteten und ergänzten Beitrag bei Wiesaussieht. Dazu gibt es ein Panel beim nächsten taz.lab am 12. April in Berlin. Um 11:15 Uhr rede ich im Orchideengarten des HKW mit Martin Reichert über meine Thesen.

Der Begriff der politischen Kultur erlebt Wiederauferstehung. Almonds und Verbas Studie aus den 50er Jahren traf die Unterscheidung zwischen parochialer Kultur, Untertanenkultur und partizipierender Kultur. Maßgebliche Untersuchungsgegenstände sind Aufbau und Struktur des Systems, Inputmöglichkeiten, Outputfähigkeiten und Selbstwahrnehmung.

Die deutsche politische Kultur eines Neobiedermeiers hat sich an der Schnittstelle zwischen parochialer Kultur und Untertanenkultur gemütlich eingerichtet. Der Fall des Abgeordneten Sebastian Edathy illustriert diesen Sachverhalt. Weiterlesen

Der Abklatsch einer Singularität

Heute Morgen lese ich Hans Blumenbergs „Begriffe in Geschichten“ und stoße auf den Eintrag „SINGULARITÄT“. Blumenberg geht darin auf die Figur des „Sie sind verhaftet“ ein und analysiert an der Formerfordernis dieses Satzes den Vorgang, mit dem sich Adolf Hitler 1934 zum obersten Gerichtsherrn und Vollzugsbeamten aufgeschwungen hatte. Weiterlesen

Halbweltkulturerbe

Manchmal passiert so etwas. Gestern Abend zum Beispiel. Volker Hauptvogel machte den Auftakt. Ein Wort gab das andere. Weiterlesen

Erst der Kater, dann der Vater

Dotzheim – Elysium, Öhrleins Trinkhalle, im Kopf jetzt die Stimme Hildegards, ein déjà-vu, von dem sie nichts wissen kann … Weiterlesen

Weltscherz: @NeinQuarterly im Gespräch

Am 18. März redete ich mit @NeinQuarterly im Roten Salon der Volksbühne. Anlass war die Premiere des E-Books „Über 140 Zeichen„, herausgegeben von Stephan Porombka im Frohmann Verlag.

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Grabbeigaben

In der alten Welt gab es kaum etwas, wofür die Weisheit, der Weg sei das Ziel,  so glaubhaft gegolten haben mag, wie für den Sex. Nun gibt es implantierbare Geräte, die in der Kultur der instant gratification den Orgasmus per Klick versprechen. Und weg ist der Weg. Weiterlesen

Small Town Boy

Am Morgen haust du ab
Mit allem was du hast
In einem kleinen schwarzen Koffer
Stehst auf dem Bahnsteig
Wind und Regen
Auf dem traurigen verlorenen Gesicht.

Mutter wird nie verstehen
Warum du gehen musstest
Die Antworten, nach denen du suchst
Sind nicht zuhause zu finden.
Die Liebe die du brauchst
Gibt es zuhause nicht. Nie.

//Lauf weg, hau ab//

Rumgeschubst und getreten
Immer so ein Verlorener
Warst du der
Über den sie tuschelten
Wie sie dich herabsetzten.

Wie hart sie auch versuchten
Dich zu verletzen, bis du weintest
Schriest du nicht zurück
Nur zu dir selbst.
Nur zu dir selbst.

//Lauf weg, hau ab//

Cry, boy, cry.

Am Morgen haust du ab
Mit allem was du hast
In einem kleinen schwarzen Koffer
Stehst auf dem Bahnsteig
Wind und Regen
Auf dem traurigen verlorenen Gesicht.

//Lauf weg, hau ab//

Ihr kennt das Lied von Jimmy Somerville.

Was passiert in Falk Richters Stück? Reicht es aus, es unter der Rubrik „Homophobie“ zu vergrieneisen? Die Kritiker machen es sich zu einfach, wenn sie das Stück als sozial- oder postrealistisches Theater kategorisieren. Was irritiert sie so? Weiterlesen

Schule der Empfindsamkeit: Über meine Twitter-Praxis

Gestern Abend hatte im Roten Salon der Berliner Volksbühne ein E-Book Premiere: Über 140 Zeichen. Autoren geben Einblick in ihre Twitterwerkstatt, herausgegeben von Stephan Porombka beim Frohmann-Verlag. In dem Band steht auch der folgende Essay von mir. Gestern Abend kehrte ich nach langer Abstinenz auf die Bühne zurück und sprach mit dem Twitter-Popstar @NeinQuarterly (Eric Jarosinski). Es gibt davon eine Videoaufnahme, die ich eventuell noch poste.

Lange Zeit bin ich nicht früh schlafen gegangen. Ich verbrachte viel Zeit in entlegenen Nischen des Netzes und ignorierte die Welt des „Kurznachrichtendienstes“ Twitter fast gänzlich. Wie mein Archiv festhält, betrat ich Twitter erst im Mai 2010 und bewegte mich fast zwei Jahre darin wie eine Monade, die unberührt davon, was um sie herum geschieht, link für link absonderte, um so vergeblich an der Idee eines Nachlebens zu arbeiten. Tatsächlich arbeitete ich am augenblicklichen Vergessenwerden. Auch das hatte seine Gründe. Ich befand mich in einer Zwischenwelt, erst zwei Jahre als Haus- und Hundehüter am Rand der Cevennen, sodann fast ein Jahr für die Pflege meiner Mutter am Niederrhein. Das Netz verband mich in dieser Zeit nur durch zarteste Reste von Luftwurzeln mit meinen peer groups. Ich war der Welt tatsächlich abhanden gekommen. Mein Kommunikationsverhalten reproduzierte diese Lage mimetisch. Weiterlesen

» … und wenn sie verbrennen, ja dafor kann ich nichts«

William S. Burroughs singt (fast) anlasslos. Günter Hack hat kürzlich Burroughs-Biographien von Ted Morgan und Victor Bockris besprochen.

»… des KÖHLERS tRaum«

Das Bild im Aufmacher verdanke ich dem Künstler Gerard van Smirren. Er nennt es eine Carbonografie. Dabei handelt es sich um die Makroaufnahme zufälliger Verläufe von Kohlenstoffpigmenten in einer Petrischale. Weiterlesen